Buch: Jörg Wontorra – Halbzeit mit Helden
Das ist schon so eine Sache, wenn noch aktive TV-Reporter anfangen über ihren täglichen Job zu schreiben. Was sollen sie sich ins Fettnäpfchen setzen, wenn sie am nächsten Tag wieder mit denselben Pappnasen am und auf dem Trainingsplatz stehen und um die besten Informationen heischen. Es ist ein demütiger Job, wenn man Jungspunden und überheblichen Trainern jeden Tag scheiße-freundlich die News aus der Nase ziehen muss. Ist man zu kritisch, gibt es beim nächsten Mal kein Interview mehr. Ist man ein guter Kumpel, dann läuft die Sache rund. Ist man nun aber selbstkritisch mit sich selbst (frei nach Andreas Möller), dann fühlt man sich am Ende ein bisschen wie der Rocksänger Roy Black im Schlagerbusiness.
Der Herr Fernsehmoderator Wontorra beschreibt dieses Dilemma sehr schön, aber natürlich völlig wertneutral und distanziert in einer Story über seinen Kollegen Rolf Töpperwien. Die Geschichte ist übrigens erschienen noch bevor sich dieser mit Schnaps in einer Nacht- und Nebelaktion selbst angezündet hat. Und auch noch bevor Jörg Wontorra endlich einmal Klartext geredet hat (als er beim DSF-Stammtisch über Rudi Aussauers Alkoholkonsum philosophierte).
Also: Man sollte nicht glauben, dass hier jemand aus dem Nähkästchen plaudert. Das wird es nie wirklich geben (außer man heißt Toni Schumacher), schließlich will ein jeder von uns geliebt und geehrt werden, so lange er lebt. Doch ist man erst einmal Tod, dann kann man nicht mehr schreiben und was soll man es sich dann mit posthum veröffentlichten Lebensbeichten selbst schwer machen. Die Kohle kriegen eh nur die Nachkommen. Jörg Wontorra hat aber – und das muss man anerkennen – ein Buch veröffentlichen lassen, das man gerne liest. Häufig harmlos, aber immer so interessant, dass man den Eindruck hat, auf der nächsten Seite packt er groß aus. Macht er am Ende eigentlich nie (siehe Dilemma), aber trotzdem ist man froh, mal ein bisschen was über die „Herren der Bundesliga“ (Lattek, Rehagel, Ribbeck, Vogts…) gelesen zu haben – abseits des immer gleichen, täglichen Geschehens. Ein „Blickchen“ hinter die Kulissen also! – Eingeschränkt empfehlenswert –
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