Buch: Fritz Walter – So habe ich’s gemacht. Meine Fußball-Schule Im selben Jahr bringt auch der Ehrenspielführer und Vielschreiber Fritz Walter ein weiteres Fußball-Buch mit und über sich auf den Markt. Das mit einer Bleistiftradierung aufgemachte „So habe ich’s gemacht…“ trägt den bezeichnenden Untertitel „Meine Fußballschule“ und wendet sich, wie der viel beschäftigte Vorwortschreiber Herberger, moralisierend anmerkt, zwar „vor allem an die Jugend“, aber letztendlich doch an eine viel größere Leserschaft, wenn der – wie gewohnt – gesiezte Fritz nicht immer so „bescheiden“ wäre: „Denn ein Fritz Walter ist allen ein Vorbild.“ Recht hat er, der große Sepp Herberger, und wahrscheinlich hat er sich genau wie die übrige große Schar von Lesern auch an den griffigen Kapitel-Überschriften erfreut, die Themengebiete wie das „Torwart-Training“ mit „Vor ‚Fliegern’ wird gewarnt“, das „Verhalten vor dem Spiel“ mit „Wer steht, wird kalt!“ oder über die „Ernährung und Lebensweise“ mit „Die kleinen und großen Gläser“ spritzig einleitet. Wer sich danach festliest, verliert sich in bis in das letzte Detail ausformulierten Zusammenhängen, die häufig aber leider so kompliziert und langatmig sind, dass man nicht selten vergisst, was man nur eine Minute vorher gelesen hat. Aber wer schon immer mal etwas über das „heiße Eisen“ Sportärzte erfahren wollte oder über das Thema „Unterziehhosen“ (O-Ton Walter: „Da gibt’s nichts zu lachen!“), der sollte sich dieses Lehrbuch auch heute noch auf den Nachttisch legen. Denn dass der berühmte, damalige „Medizinmann“ der deutschen Nationalmannschaft, Erich Deuser, knapp 45 Jahre nach Erscheinen des Buchs noch einmal ein solches Medienecho hervorrufen und die Nationalmannschaft unter Jürgen Klinsmann mit den nach ihm benannten Gummibändern fast zum Titelgewinn führen würde, hätte sicher selbst Fritz Walter damals nicht gedacht, als er diese Zeilen äußerst weitsichtig formulierte: „Masseur Deuser war[…]ein richtiger Zauberkünstler.“ Aber vielleicht hat die Klinsmann-Truppe ja tatsächlich auch sogar ein bisschen tiefer in Fritz Walters Lehrbuch gestöbert und daraus die entscheidenden Anweisungen für die Trainingslager-Küche gezogen. Denn wer Weltmeister werden will, kann auch ruhig bei Weltmeistern in den Kochtopf gucken. Recht schmackhaft liest es sich in jedem Fall und überraschend moderne, heute häufig zu hörende Ernährungstipps finden sich auch wieder: „Morgens nahm ich zwei bis drei Orangen, eine halbe Zitrone, die zu einem Fruchtsaft ‚natur’ ausgepresst wurden. Dazu Tee mit Bienenhonig und viel Quark. Das Mittagsessen bestand aus einer anständigen Fleischportion, aus Salaten und Gemüse. Alles andere, Kartoffeln, Suppen usw. fielen buchstäblich unter den Tisch. Das Abendessen nahm ich sehr früh ein. Möglichst nicht nach 18 Uhr. Das Gulaschsüppchen oder die Hühnerbrühe, auf die man gerade nach einem Kinobesuch sehr großen Appetit hat, musste ich mir schenken.“ Walter, Fritz: So habe ich’s gemacht. Meine Fußball-Schule. München: Copress 1962











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