1962: Willy Thelen – Karl-Heinz Schnellinger. Gib mir den Ball

Veröffentlicht am: 9. Februar 2008 | Kategorie(n): Fußball-Bücher

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Buch: Willy Thelen – Karl-Heinz Schnellinger. Gib mir den Ball

1962 scheitert die deutsche Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Chile schon frühzeitig, Köln wird Deutscher Meister und mit großem Abstand vor seinem Vereinskollegen Hans Schäfer wählen die Mitglieder des Verbandes Deutsche Sportpresse „einen der besten Verteidiger der Welt“, Karl-Heinz Schnellinger, zum „Fußballer des Jahres“ in Deutschland. 23 Jahre alt und „schon ein Fußballstar“ steht im Klappentext des Buchs von Willy Thelen „Karl-Heinz Schnellinger. Gib mir den Ball“. Den „meteorhaften Aufstieg vom fußballbesessenen Pennäler zum Weltklassespieler“ will das standardmäßig auf 112 Seiten verfasste Werk einer ganzen Reihe von ähnlichen Büchern aus dem Copress-Verlag aufzeichnen und präsentiert sich dabei als eine Mischung aus Bildband und fragmentarisch aufgezeichnetem Lebenslauf.

Direkt ins Auge sticht beim ersten Aufschlagen des leuchtend grünen Bandes das fast noch jugendliche Alter Schnellingers. Doch die 25 Länderspiele, die der Kölner seit seinem achtzehnten Lebensjahr bis zum Zeitpunkt der Buchveröffentlichung in der Nationalmannschaft bereits absolviert hatte, relativieren vieles. Komisch nur, dass man in den neunziger Jahren von so vielen alten Profis immer das Argument hörte, dass sie früher erst zweihundert Bundesligaspiele zu bestreiten hatten, bevor der Bundestrainer überhaupt daran dachte, sich einmal ihre Telefonnummer zu besorgen. Argumente scheinbar wohl aus dem Reich der großen Vergesslichkeit oder den vergeblichen Bemühungen geschuldet, alte Verdienste nachträglich noch ein wenig zu überhöhen. Sei’s drum!

Die heute immer noch so kontrovers diskutierte Verdrängung der deutschen Sprache durch englische Fachausdrücke oder eingedeutsche Anglizismen (‚Denglish’) hat sich anscheinend auch schon vor über vierzig Jahren ohne Aufregung den Weg in die Sprachwelt des Fußballs gebahnt. Dort hat sich das „sliding tackling“ oder anders gesagt, der „Bodenkampf des Fußballspielers“, allerdings nicht richtig durchsetzen können. Aktuelle Moderatoren und Kommentatoren benutzen immer noch weitgehend deutsche Fachausdrücke, um taktische Methoden und Zusammenhänge den Zuschauern näher zu bringen. An Schnellinger und seiner wunderschön präzisen Schilderung des genannten fußballerischen Vorgangs kann es eigentlich nicht gelegen haben, dass sich die Fußball-Anglizismen in der Folgezeit nicht durchsetzten, wie dieser kleine Ausschnitt beweist: „Ist das ‚sliding tackling’ aber fair ausgeführt, wird sich der Gegner nur in einem ausgesprochenen Unglücksfall verletzen. Voraussetzung aber für jeden Spieler, der diese Art der Abwehr versucht, ist natürlich eine große Körperbeherrschung“, über die der „Techniker von hohen Graden“ selbstverständlich schon in jungen Jahren verfügte – was er auf einem Bild am leibhaftigen Gegenspieler, dem Torschützenkönig von 1958, Juste Fontaine, par Excellenze auch schön zeigt.

Leider verkommt „Gib mir den Ball“, wie die vielen Vor- und Nachfahren ähnlicher Copress-Bände, nicht selten mehr zu einer Werbeschrift und versäumt einen kritischen und informativen Abriss über das Leben und die fußballerische Karriere Schnellingers. Doch da auch die ‚Werbung’ ihre schönen Seiten hat und häufig mit wenn nicht intelligenten, so doch wenigstens interessanten Formulierungen glänzt, sei an dieser Stelle noch ein Satz über den „Parterre- und Luftakrobat auf dem grünen Rasen“, Karl-Heinz Schnellinger, aus der Feder Thelens zitiert: „Er kann streunen wie ein Hund im Jagdrevier, er kann aber auch ‚brav’ sein wie ein dressiertes Zirkuspferdchen(…)“.

Thelen, Willy: Karl-Heinz Schnellinger. Gib mir den Ball. München: Copress 1962

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