Buch: Hans Schäfer – Die Schäfer-Ballade 1964 räumt der Kölner Weltmeister Hans Schäfer mit dem berühmten „Geist von Spiez“ und vor allem mit der schon immer irgendwie eigenartig wirkenden Mythologisierung des Dauerregens am Finaltag, dem berühmten „Fritz-Walter-Wetter“, auf: „Nur der alles vergoldende Rückblick auf die Weltmeisterschaft 1954 weiß zu berichten, wir seien am Morgen jenes entscheidenden 4. Juli in hoffnungsfroher, zu allem entschlossener Stimmung gewesen. Dabei hatten sich unsere Gefühle vor dem Endspiel ganz dem Sauwetter angeglichen. Et es d’r janze Dag, d’r janze Dag am rähne…“ Unter dem sehr konstruiert wirkenden und verwirrenden Titel „Die Schäfer-BALLade“ (gibt es neben dem platten Wortspiel noch einen tieferen Hintersinn?) erzählt der bei drei Weltmeisterschaften für Deutschland aktive Spieler, wie dem Teamkollegen Max Morlock schon beim Frühstück die runzelige Stirn Herbergers Sorgen bereitet: „Hans, ich glaube, auch dem Chef schwant Böses…“
Doch wie wir alle wissen, nahm die Sache schließlich nichtsdestotrotz ein gutes Ende, weil es nach Meinung des Teamkollegen Helmut Rahn, Schütze des entscheidenden 3:2-Siegtreffers, auch gar nicht anders hatte kommen können, wie er in seiner „Prophezeiung“ Torhüter Toni Turek beim Stand von 2:2 wissen ließ: „Anton, halte die Schotten dicht! Das nächste Tor schießen wir sowieso, und dann sind die Paprikafresser geputzt!“ Wie einfach Fußball doch sein kann!
Aber der „Fußballer des Jahres“ von 1963, Hans Schäfer, ruht sich auf den Lorbeeren des Triumphs nicht lange aus, schon deshalb, weil man es als Spieler gewohnt sei, „kaum Ruhe zu bekommen“. Was sich natürlich auch auf das Privatleben auswirkt und hier besonders auf „die so oft belächelte Fußballbraut“. Als das erste Kind erwartet wird, muss Schäfer wieder einmal mit seinem 1. FC Köln auf „Reisen um die Welt“, „von denen viele sehnsuchtsvoll träumen“. Ihm ist nicht wohl bei dieser Vorstellung, doch seine Frau Isis schickt ihn fast ein wenig empört weg: „Kriege ich nun ein Kind oder du?“
Schäfers Frau hat das Verständnis für ihren Fußball spielenden Mann quasi schon in die Wiege gelegt bekommen durch ihren ebenfalls Fußball begeisterten Vater, dem DFB-Schiedsrichterobmann Degenhard Wolf. Der hatte seine Tochter höchst selbst auf den zukünftigen Schwiegersohn aufmerksam gemacht, als er bei einem Spiel in der typischen Fußballer-Sprache feststellte: „Welcher Linksaußen! Aber er hat nur ein Bein.“Ein Ausspruch Schäfers fällt in dem spannend zu lesenden Buch ein ums andere Mal. Der Sinngehalt dieses Mottos ähnelt wahrscheinlich nicht von ungefähr Pelés Interviewzitat, sondern steht einfach für das ewige und verbindende Urgefühl der Fußballanhänger: „Aber eins, aber eins, das bleibt bestehn, der Fußballsport wird niemals untergehn…“
Schäfer, Hans: Die Schäfer-Ballade. Köln: M. DuMont Schauberg 1964











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