1965: Petar Radenkovic – Bin ich Radi

Veröffentlicht am: 9. Februar 2008 | Kategorie(n): Fußball-Bücher

 

_1965-radenkovic.jpgBuch: Petar Radenkovic – Bin ich Radi

„Ich mag alles konzentriert: Wenn gewürzt, dann scharf, wenn süß, dann sehr süß, wenn temperamentvoll, dann sehr temperamentvoll, wenn komisch, dann sehr komisch…“, sagt der Keeper des TSV 1860 München, Petar Radenkovic, über sich selbst und der Verlag greift diesen sprachlichen Steilpass dankend auf und behauptet, dass Radenkovic „viel, sehr viel zu erzählen“ habe (was folgt, ist wie immer der bewährte Mix aus Jugenderlebnissen bis hin zu letzten Heldentaten). Da lag es natürlich nahe, diese Erzählungen zu sammeln und in einem Buch herauszubringen, das man dann passenderweise auch noch nach dem gut verkauften Single-Hit des „Show-man“ Radenkovic abgekürzt „Bin i Radi…“ benannte.

Mit wachen Augen muss der Copress-Verlag in den Anfängen der langsam fortschreitenden Kommerzialisierung des deutschen Fußballs an den Samstagen und Sonntagen über die Plätze marschiert sein. Helden wurden gesichtet und angesprochen. Erste Stars gefördert und zu Geld gemacht. Der „lustige Radi“, das „Urviech“, das immer zu „Faxen“ aufgelegt ist, war da natürlich ein willkommenes und ebenso geschäftstüchtiges Opfer. Und wie dieses Geschäft mit den gemachten Stars so richtig funktioniert und wie leicht Aussagen und Schlagzeilen einem Fußball-Profi bis in die heutige Zeit hinein nachhängen können, erfuhr Radenkovic erstmals richtig 1964, als er seinen ganz persönlichen „Prägestempel“ von einem Journalisten der „Sport-Illustrierten“ verpasst bekommt: „Und das kam so[…] ‚Was meinen Sie, wer ist der beste Torwart der Welt?’. Ich dachte kurz nach, dann sagte ich: ‚Tja, schauen Sie, ich kenne nur wenige, die in den letzten zehn oder zwanzig Jahren wirklich überragend waren.’“

Dem nach einer schönen Schlagzeile trachtenden Journalisten reicht diese harmlose Auskunft des sonst nie um eine schöne Antwort verlegenen „Radis“ natürlich nicht und so stellt er die geschickt formulierte, hintersinnige Frage: „Was müsste ein solcher weltbester Torwart können?“ Radenkovic antwortet fleißig und gewissenhaft. Zählt die wichtigsten Stärken auf und bemerkt erst im letzten Moment, dass er genau dies alles vor wenigen Minuten schon einmal erzählt hat – als er über sich selbst und seine Vorzüge geredet hatte. Und diese Steilvorlage lässt der junge Nachwuchsjournalist der „Sport-Illustrierten“ natürlich nicht links liegen, sondern kontert findig und gescheit: „Demnach sind S i e der beste Torwart der Welt!“.

Petar Radenkovic bleibt nur noch die eigene Verblüffung. Sein „Nach dieser Lesart vielleicht“ kommt ihm fast wie in Trance über die Lippen und so wundert er sich anschließend auch kaum mehr, als der große Artikel in der Sportfachzeitschrift mit der wunderbaren Headline „Bestes Torwart von Welt“ aufmacht.Diese Aussage, vom Journalisten geschickt in „Radis“ typisch fehlerhaftes Sprachidiom transformiert, ist so zu seinem unverwechselbaren Markenzeichen geworden. Der von Radenkovic selbst angeführte Cassius Clay („Ich bin der Größte“), aber auch der „Kaiser“ Franz Beckenbauer sind weitere Beispiele einer medial verbreiteten hypertrophen Selbsteinschätzung von Sportlern.

Radenkovic, Petar: Bin ich Radi. München: Copress 1965

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