Buch: Karlheinz Mrazek – Ja, mein Temperament! 1970 zwinkert der Mittelfeldregisseur des 1. FC Köln, Wolfgang Overath, den Lesern seines mit dem Herausgeber Karlheinz Mrazek entstandenen Buchs „Ja, mein Temperament“ mit einem Lächeln im Gesicht vom Cover aus entgegen. Über dem rot-weißen Trikot seines Heimatvereins baumelt eine goldene Kette mit einem großen Kreuz. Vielleicht hat der liebe Gott ja auch dafür gesorgt, dass Overath nach „14 Tagen mühseliger Kleinarbeit“ nicht „resignierend abgewinkt“ hat, denn folgendes war geschehen: „Diebe hatten die Tonbänder mit den Aufzeichnungen des Overath-Buchs entwendet. Unser Versprechen, sie unbehelligt zu lassen, wenn sie das Material anonym zurückschicken oder abgeben, blieb ohne Echo. So waren wir gezwungen, das Ganze zu wiederholen.“ Ob dies unbedingt als absoluter Glücksfall für die immer größer werdende Ansammlung von Fußball-Büchern zu bewerten ist, sei erst einmal dahingestellt, doch so manch schöne kleine Anekdote wäre ansonsten vielleicht tatsächlich verloren gegangen – und das wäre dann sicher schade gewesen. Denn zu komisch ist die Vorstellung folgender Szene: „Uwe Seeler, Willi Schulz und der Bundestrainer ziehen sich des Öfteren im Trainingsquartier für ein Stündchen zurück und klatschen miteinander. Genau wie Hausfrauen, denen man das allerdings vorwirft. Wer neu ist, könnte vermuten, dass diese drei Weisen die Mannschaft fürs nächste Länderspiel aufstellen. Doch da lässt sich Helmut Schön nicht reinreden, auch wenn es hier und da schon mal anders zu lesen ist. Hocken Uwe, Willi und der Bundestrainer zusammen, hat ein Thema Vorrang: Die gemeinsamen Haarsorgen. ‚Uwe, sag mal, gibt es immer noch kein todsicheres Rezept gegen Haarausfall?’, könnte Helmut Schön fragen. Wir anderen hören zwar nicht mit, aber die bekannte Geste des Bundestrainers, der sich übers nicht vorhandene Haar streicht, lässt solche Fragen vermuten.“ Auch bis heute überliefert und gern erzählt wird aus dem Buch des heutigen Präsidenten des 1. FC Köln folgende, sehr ehrliche Passage: „Von weiblichen Fußballfans hält Wolfgang Overath nicht viel. Ehefrauen mit ausgeprägtem Fußballverstand und leidenschaftlichen Fußballinteressen sind nicht nach dem Geschmack des Spielers: ‚Ich kann mir nichts Schlimmeres vorstellen, als schreiende Fußballbräute auf den Tribünen. Gottlob ist meine Frau genau das Gegenteil. Sie hat wirklich keine Ahnung von Fußball.“ Allein 12 Lobreden von prominenten Persönlichkeiten wie den Mitspielern beim 1. FC Köln Schäfer und Schnellinger oder auch Nationalmannschaftskollegen wie Beckenbauer und Netzer lässt der Herausgeber am Ende des Buchs auf Wolfgang Overath halten. Doch folgende Worte, vom Weltstar Pelé, werden dem Kölner Idol sicherlich am meisten gefallen haben: „Ich wurde schon häufig gebeten, meine Traumelf aufzustellen. Das möchte ich nicht, weil ich sehr viele gute Spieler in der Welt kenne. Zwei deutsche Spieler aber würde ich bedenkenlos in meine Wunschmannschaft nehmen: Overath und Beckenbauer. Es muss ein Genuss sein, mit diesen beiden in einem Team zu spielen.“Mrazek, Karlheinz: Ja, mein Temperament! Köln: M. DuMont Schauberg 1970











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