Buch: Kurt Brumme – Aber eins, aber eins, das bleibt bestehn…! 1973 schreibt der Radioreporter Kurt Brumme in großen grün-orangenen Lettern „Aber eins, aber eins, das bleibt bestehn…!“ auf sein im DIN A4-Format erschienenes Buch und erklärt den Titel emotional in seinem Vorwort: „Wie oft bin ich auf Reisen mit dem Fußball dieser Strophe begegnet. – Wie viele Klubs führen sie als krönenden Abschluss in ihrem Vereinslied? ‚Der FC Wanne, der SV Weiden, der FC Schalke…darf nicht untergehn!’ Ob auf dem Lande, in der Stadt, auf dem Gemeindesportplatz, in Großstadien, sie singen dieses Lied mit Hingabe, mit Überzeugung und in unverbrüchlicher Treue. Als ich es zum ersten Mal hörte, konnte ich nur mitsummen, ich war sieben Jahre alt und hatte mir als Torwart die Zunge halb durchgebissen. Aber dann am 6. April 1941 in Köln habe ich es mit Begeisterung hinausgeschmettert, als Deutschland die Ungarn sensationell mit 7:0 schlug.“ Der „Fußballreport“, in dem die großformatigen Fotos vom „Panini-Vorgänger“ Bergmann noch einzeln per Hand eingeklebt wurden und scheinbar wahllos zusammen gestellte Geschichten über Schalke, Nürnberg, Pele oder einzelne Weltmeisterschaften zu finden sind, soll, wie der Linda-Verlag im Klappentext es formuliert, ein „Buch zum Schmökern und Schmunzeln, zum laut Vorlesen, zum Nachdenken, zum Nachschlagen“ sein. Vor allem ist es jedoch eine ganz persönliche Veröffentlichung geworden. Brumme schreibt, wie er auch am Mikrophon redet. Direkt, offen, ehrlich und ohne die sonst abwartende, sichere Zurückhaltung seiner Kollegen. Besondere Emotionen weckt bei Brumme immer noch die Erinnerung an Wembley 1966 und die eine, entscheidende Szene, als der Ball von der Unterkante der Latte wieder ins Feld sprang. Das Unverständnis über die Entscheidung des Schiedsrichters Gottfried Dienst und seines Assistenten Tofik Bahkramow klingt aus jedem seiner Worte. Brumme versucht verzweifelt, die Situation noch einmal zu ordnen, denn: „Die Fußballwelt war durcheinander geraten.“ Und so bemüht er Beispiele und Regeln, um die „Tatsachenentscheidung“ im Nachhinein zu Gunsten der deutschen Mannschaft zu korrigieren: „Beobachten Sie, meine verehrten Leser, einmal einen Diskuswerfer beim Abwurf und stellen sie sich in die Höhe des vermeintlichen Aufschlages, schauen Sie ganz genau hin und gehen dann auf die Stelle zu, die Sie im Auge hatten. Ich wette, Sie werden sie verfehlen. Wohlgemerkt, es geht um Zentimeter. Zentimeter, die über Sieg und Niederlage entscheiden. Sie sind kein Übermensch, Sie werden es nie schaffen – ich nicht – auch der gute Tofik nicht. Ich traf mal einen Schiedsrichter, Gott sei Dank, es ist nur bei diesem einen geblieben, der behauptete, er habe sich noch nie geirrt. Mich fror bei dieser Aussage, soviel Selbstüberschätzung und Arroganz, wirkten peinlich. In Wirklichkeit sind es alle arme Teufel, mutterseelenallein, der Situation ausgeliefert, oft voller Zweifel, wie Gottfried Dienst. Ich kenne das und deshalb sehe ich diesen Männern viel nach, viel Menschliches – auch das Tor von Wembley. Aber darum geht es hier nicht! Nicht um das Menschliche, nicht um das Versehen, sondern nur am das, was die Regel vorschreibt.“ Brumme, Kurt: Aber eins, aber eins, das bleibt bestehn…! Hamburg: Linda 1973











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