Buch: Wolfgang Behrendt – Fussball – Magnet für Millionen
1977 ist der Fußball in der DDR auch längst ein „Magnet für Millionen“, wie das Buch der beiden Autoren Klaus Schlegel und Wolfgang Behrendt viel versprechend heißt. Und tatsächlich gibt es eine Menge zu entdecken: „Über das Schildern von Episoden hinaus werden Zusammenhänge deutlich. Und weiter wird der Bogen gespannt: Wir erfahren ein wenig über die Geschichte dieses Spiels; wir begleiten Sportler über Jahrzehnte hinweg; wir spüren dem Tagesablauf eines Schiedsrichters nach; wir begeben uns in das volkssportliche Geschehen eines großen Industriebetriebes; wir nehmen Anteil an Höhepunkten des Fußballsports bis hin zum Gewinn der olympischen Goldmedaille der DDR-Mannschaft in Montreal.“
Doch immer wieder tauchen neben den schönen, farbigen Fotos – „zahlreiche großartige Bilder“ – und den interessanten Beschreibungen des DDR-Fußballs fast klischeehaft Stellen auf, die irritieren. Anders als im Westen von Deutschland, wo der Erfolg eines Fußball-Buchs im wesentlichen von den Verkaufszahlen abhängt und darin zumeist auch der Zweck für eine Veröffentlichung zu begründen ist, müssen in der DDR Bücher zusätzlich auch ideologisch geprägte Motive erfüllen. Sie sollen eine Botschaft verbreiten, was man besonders gut an diesem Beispiel ablesen kann: In einem Text über das Wesen der Zuschauer, „Die aktiven Passiven“, schildern die Autoren vor allem die negativen Ausprägungen und weichen dazu insbesondere in die westliche Welt aus. Brasilien, Italien aber auch die Bundesrepublik rücken dabei in das Blickfeld der beiden Autoren. Fast genüsslich zitieren sie einige Passagen aus einer Westberliner Zeitung, in denen die „Brutalisierung des Berufsfußball“ beklagt wird und kommen abschließend zu folgenden Schlüssen: „Was dieser Streifzug zum Ausdruck bringen sollte, ist folgendes: Die soziale Struktur eines Landes bestimmt alles andere, auch den Sport. Wenn es nun in zahlreichen westlichen Ländern Erscheinungen gibt, wie die weiter oben beschriebenen, so hängt das ursächlich mit der jeweiligen Gesellschaftsordnung zusammen; damit, dass in Brasilien, Italien, der BRD und anderswo in diesen Gefilden der Fußball breiten Raum einnimmt, durchaus leistungsfähig ist, was wiederum auf seine Popularität zurückzuführen ist, darauf, dass er in der Palette der Ablenkungsmechanismen eine Hauptrolle spielt, man ihm größere Bedeutung zumisst als anderen Sportarten. Nicht jedoch, um ihn zu fördern, ihn zu entwickeln, um über ihn eine breite Volkssportbewegung zu erreichen, sondern um über ihn dafür zu sorgen, dass er sich in das imperialistische System einreiht, hier die exakt zugewiesene Aufgabe erfüllt.“
Einfach nur ein Fußballbuch durfte „Magnet für Millionen“ in der DDR damals also nicht sein – es musste gleichzeitig „unterhalten, Erkenntnisse vermitteln und größeres Verständnis für die Probleme unseres Fußballsports wecken“, wie es im Klappentext heißt. Ein bisschen viel für das „bescheidene Spiel“, wie jenseits der Grenze Franz Beckenbauer es wohl ausdrücken würde.
Behrendt, Wolfgang: Fussball – Magnet für Millionen. Berlin (Ost): Sport Verlag 1977











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