Buch: Jorge Valdano- über fußball
„Zugleich so kenntnisreich, meinungsstark und sprachmächtig ist selten über Fußball geschrieben worden“, urteilt Christoph Biermann über das Buch „Über Fußball“ des ehemaligen argentinischen Weltmeisters Jorge Valdano.
Valdano hat in seinem Werk die brillantesten Artikel der letzten Jahre zusammengetragen, die er für verschiedene spanischsprachige Magazine verfasst hat. Als ehemaliger Trainer und Sportdirektor hat er einen geschulten Blick auf den Fußball entwickelt, der durch seine präzise wie aber auch bildhafte Sprache zum Ausdruck gebracht wird: „Wenn Raúl in Trance gerät, ist er wieder acht Jahre alt und spielt in einem Park Fußball. Es stört ihn nicht, ob er dabei von Tausenden von Zuschauern umgeben ist, er vertieft sich so in das Spiel, dass er sich von der Welt abkapselt. Er läuft, fällt hin, steht auf, schießt, läuft weiter, sucht den Ball, bietet sich an, macht Druck, läuft sich frei, der Ball kommt, der Schuss geht fehl, er fällt hin, steht wieder auf, läuft weiter und bietet sich wieder an. Er ist ein kolossaler Angreifer und macht sehr gut das, was die Verteidiger so sehr fürchten: sich aus dem Spiel zurückziehen, um dann gleich wieder einzusteigen. So hat die Nationalelf zugleich einen Mittelfeldspieler und einen Stürmer. Manchmal schießt er kein Tor. Logisch: Was kann man von einem achtjährigen Jungen auch schon erwarten.“
Auch den deutschen Fußball beobachtet er genau. Seine Einschätzung vor der erfolglosen WM 1998 ist zutreffend wie ernüchternd, wenn auch im Viertelfinale gegen Kroatien schließlich schon recht früh eine Mannschaft wissen sollte, wie man die Deutschen schlägt:
„Berti Vogts war ein disziplinierter, körperbetonter und effizienter Spieler. Der deutsche Fußball ist diszipliniert, körperbetont und effizient. Berti Vogts, deutscher Nationaltrainer bei der WM in Frankreich, stand an der Spitze einer disziplinierten, körperbetont spielenden und effizienten Mannschaft. Und so weiter. Deutschland, das Superkörperbetonte, das Superkonzentrierte, die Supersiegermannschaft. Über allem: Deutschland, das Traditionelle. Berti Vogts schien kein Freund von Feinheiten zu sein und verweigerte sich einem Wechsel von Stil und Männern. Die Berufung des 37-jährigen Lothar Matthäus bestätigte die Tatsache, dass er auf das Bewährte setzte. Das ist die historische Kuriosität der deutschen Nationalelf: Wir wissen alle, wie sie spielen werden, aber niemand weiß, wie man gegen sie gewinnen kann.“
Valdano, Jorge: über fußball. Deutsch von Andreas Löhrer. München: Bombus-Verlag 2006











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