Als ich das Bild heute gesehen habe, musste ich gleich an eine Episode vom Tag der 2. DFB-Pokal-Runde denken. Bochum spielt in Aachen und ich bin aufgrund einer Einladung meiner Frau (Hochzeitstagsgeschenk!) verhindert. Grausam!
In einem Kapitel in meinem im Herbst erscheinenden Buch “Fußball ist nicht das Wichtigste im Leben. Es ist das Einzige!” beschreibe ich die qualvollen Stunden dieses Tages. Hier ein kleiner Ausschnitt:
“Goosen ruft wieder an: „Die haben mir alkoholfreies Bier verkauft. Drei Becher. Was mache ich jetzt damit? Äh, muss aufhören. Bis später!“
Nadine guckt mich an, als ob ich sie nicht mehr alle hätte: „Wer war das denn?“
„Goosen. Aber anscheinend will er nicht mit mir sprechen.“
„Ist der in Aachen?“
„Ja.“
„Da wärst du jetzt auch gerne, was?“
Ich täusche ein dringendes Bedürfnis vor und verschwinde kommentarlos auf der Toilette. Gelogen wird nicht. Und eine ehrliche Antwort ist in diesem Fall unter gar keinen Umständen möglich.
18.54 Uhr. SMS von den Zugfahrern: „Intellekt wird in Aachen strikt unterbunden, der ‚Kicker’ musste abgegeben werden – man könnte ihn ja abbrennen.“
Im Keller des Schauspielhauses sitzen die Leute schon erwartungsfroh auf ihren Plätzen. Mir kommt aber erst einmal ein schrecklicher Gedanke. Keller = kein Handyempfang? Ich schicke mir selbst eine SMS und freue mich wie Bolle, als ich Sekunden später in meiner Hosentasche ein wohliges Vibrieren spüre. Doch alles ist noch viel schöner. Die SMS ist aus Aachen. Ich tanze auf der Stelle und halte Nadine das Handy vor die Nase: „19.24h. 0-1…21. Spielminute…per Kopf…glaube es war ein Eigentor vom Aachener Mann.“
Ich lehne mich zurück und sehe mich bereits mit einem Feierbierchen vor der Sportschau auf der Couch liegen. Zufrieden mit mir und der Welt nicke ich gönnerhaft den schon im Dunkeln auf ihre Plätze huschenden Nachzüglern zu. Das Konzert beginnt.
Goosen versucht anzurufen. Der muss völlig aus dem Häuschen sein. Eigentlich weiß er, wo ich bin. Ich drücke ihn weg. Dann vibriert es schon wieder.
19.33 Uhr: „Gelb-rot für Dabrowski…2 idiotische Fouls innerhalb von 2 Minuten. Irgendeiner muss ja Zdebels Job übernehmen…“ Schön, dass der Zugfahrer-Fraktion der Humor noch nicht abhanden gekommen ist. Ich sehe das Feierbierchen aus meiner Hand gleiten und auf dem Boden zerspringen. Der Musik kann ich in der Stimmung auf jeden Fall nicht folgen. Ich verstehe auch nicht, dass die hier alle so ruhig sitzen können. Vor allem die Männer. Müssen die alle wie ich ihr Hochzeitstagsgeschenk ruhig über sich ergehen lassen? Eine erstaunliche Gelassenheit haben die dabei.”












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