Lieber Manni Breuckmann, ich Danke Sie ganz herzlich für diese Frage (“Ist Fußball etwa keine Kultur?”), die Du heute in der WAZ gestellt hast. Eine Beantwortung darauf spare ich mir allerdings. Wir beide werden an dem “leider” bereits ausverkauften Scudetto-Legenden-Abend im März in Bochum hoffentlich ein bisschen davon zeigen können, was dem offiziellen RUHR.2010-Kulturhauptstadt-Programm abgeht. Am 06. Mai schließt die Legenden-Reihe, die im Bochumer.2010-Programm vertreten ist (hier in Bochum, in der Stadt mit dem “sympathischsten Verein der Welt”, weiß man offensichtlich den Fußball auch als “Kulturphänomen” zu schätzen), aber das ganze Jahr über werde ich quasi missionarisch versuchen, mit meinem aktuellen Programm und Buch ganz Deutschland »Dem Fußball sein Zuhause« mit viel Liebe näher zu bringen!
Doch, lieber Manfred Breuckmann, Du hast Recht: “Gott sei Dank hat das Spiel ja gerade erst angefangen; für ein wundersames Ruhr-Fußball-Sommermärchen 2010 ist es noch nicht zu spät.” Deshalb, Glück auf, in der Vorfreude auf viele fußballkulturelle Stunden in 2010!
Ausschnitt aus dem Film:“Die 11 des VfL” mit Stefan Kuntz, Heinz-Werner Eggeling, Hans Walitza, Heinz Formann, Jupp Kaczor über die Trainer des VfL Bochum Rolf Schafstall, Hermann Eppenhoff und Heinz Höher!
Im Ruhrgebiet regiert seit dem Wochenende die Kulturhauptstadt 2010. Grund genug also eine kleine Auswahl der besten Zitate des Revierfußballs zu küren. Einzige Voraussetzung dabei: Die Kicker müssen tatsächlich hier im Revier geboren sein. Da das Ganze wie immer sehr subjektiv ist, schreibt mir doch in den Kommentaren euer persönliches Lieblings-Fußballzitat eines Kickers (bitte mit seinem Geburtsort) aus dem Revier auf. Unter allen Einsendungen verlose ich ein Buch der aktuellen Auflage des, jaja, Spiegel-Bestsellers “Ein Tor würde dem Spiel gut. Das ultimative Buch der Fußball-Wahrheiten”. Einsendeschluss ist der 20.01.2010. Viel Spaß und Erfolg und Danke für eure Zitate!
Und hier schon einmal eine kleine Top-20-Ruhrgebiets-Fußballsprüche-Liste:
Dettmar Cramer (Dortmund)
Es hängt alles irgendwo zusammen. Sie können sich am Hintern ein Haar ausreißen, dann tränt das Auge.
Adi Preißler (Duisburg)
Ein Fußballer ohne große Nasenlöcher kann nichts werden. Sonst kriegt die Lunge nicht genug Luft.
Volker Abramczik (Gelsenkirchen)
Ich will keine Karotten, ich will Möhren.
Ingo Anderbrügge (Datteln)
Das Tor gehört zu 70 % mir und zu 40 % dem Wilmots.
Willi Landgraf (Mülheim an der Ruhr)
Jung, ich komm aus Bottrop – da wirsse getötet, wenne datt inne Muckibude machs! (beim Step-Aerobic-Training, auf die Frage, ob so etwas vorher schon einmal gemacht habe)
Torsten Legat (Bochum)
Es war toll, es war klasse, es war wie ein Albtraum. (nach einem hohen Heimsieg) Michael Lusch (Hamm)
Ich kann mich an kein Spiel erinnern, beim dem so viele Spieler mit der Barriere vom Platz getragen wurden.
Karl-Heinz Rummenigge (Lippstadt)
Zwölf meiner zehn Tore habe ich im Vorjahr aus der Linksaußenposition geschossen.
Olaf Thon (Gelsenkirchen)
Man darf das Spiel doch nicht so schlecht reden, wie es wirklich war.
Wolfram Wuttke (Castrop-Rauxel)
Immer wenn ich breit bin, werde ich spitz.
Hermann Gerland (Bochum)
Wenn einer die Hosen voll hat, sehe ich das.
Dieter Hecking (Castrop-Rauxel)
Vor der Leistung einiger Spieler muss ich wirklich den Hut zollen.
Horst Hrubesch (Hamm)
Wir müssen das Spiel noch einmal Paroli ziehen lassen.
Bernd Krauss (Dortmund)
Die Farbe hat mir sowieso nicht gefallen. (nachdem er seinen Wagen zu Schrott gefahren hatte)
Uli Maslo (Wattenscheid)
Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte: der Trainingsplatz stand unter Wasser. Die gute: es ist keiner ertrunken.
Otto Rehhagel (Essen)
Frauen sind das beste Trainingslager.
Uwe Reinders (Essen)
Ich sage meinen Spielern immer, sie sollen aufpassen, wenn die Journalisten kommen. Denn mit leerem Kopf spricht man nicht.
Erich Ribbeck (Wuppertal)
Grundsätzlich werde ich versuchen zu erkennen, ob die subjektiv geäußerten Meinungen subjektiv sind oder objektiv. Wenn sie subjektiv sind, werde ich an meinen objektiven festhalten. Wenn sie objektiv sind, werde ich überlegen und vielleicht die objektiven subjektiv geäußerten Meinungen der Spieler mit in meine objektiven einfließen lassen.
Rolf Schafstall (Duisburg)
Richtigen Druck verspüre ich nur auf der B1.
Michael Skibbe (Gelsenkirchen)
Ich bin immer offen für Kritik, nur sie muss konstruktivistisch sein.
Also, am Samstag wird auf der Zeche Zollverein in Essen live die neue Kulturhauptstadt-2010-Hymne “Komm zur Ruhr” von Herbert Grönemeyer besungen. Gut und schön, das wird sicherlich ein toller Song zur Kulturhauptstadt sein, aber die eigentliche Ruhr-Hymne hat Herbert Grönemeyer schon vor etlichen Jahren gesungen. Und für alle Nicht-Ruhrgebietler sei vielleicht erklärend gesagt: Herbert Grönemeyer (Text stammt übrigens von Diether Krebs & Horst-Herbert Krause und die Musik von Jürgen Triebel) denkt auch heute noch bei “Currywurst” aller Voraussicht nach an die einzig wahre und echte Currywurst des Reviers, an die legendäre Wurst von “Dönninghaus” (hier klicken, dann erfährt man etwas über die Verzehrmöglichkeiten)!
Hier das Video: Herbert Grönemeyer und die Hymne an eine Köstlichkeit des Ruhrgebiets – “Currywurst”!
Und hier die offizielle Hymne “Komm Zur Ruhr” zum Kulturhauptstadtjahr / RUHR 2010, gesungen von Herbert Grönemeyer:
RUHR.2010 – Die Kulturhauptstadt eröffnet ihre Pforten und die Fußballkultur des Ruhrgebiets hält Einzug!
Ein Leben lang, keine Schale in der Hand
Am 6. Mai 1966 standen die Menschen in Wanne-Eickel am Fenster und schüttelten mit den Köpfen. Ein kleiner Junge lief mit seiner schwarz-gelben Fahne strahlend durch die Siedlung und jubelte. Immer wieder rannte er die Straßen rauf und runter und skandierte laut: »BVB, BVB«.
Die Leute hinter den Gardinen trauten ihren Augen und Ohren nicht. Am Morgen noch hatte man trotzig an den Fahnenmästen königsblau geflaggt und jetzt das. Den kleinen Dieter störte das aber nicht im Geringsten. Er wollte gerade wieder umdrehen und seine nächste Runde beginnen, als auf einmal ein breitschultriger Junge aus einem der Häuser trat und ihn zurückhielt. Mit finsterer Miene packte er sich den schwarz-gelben Bengel, zerrte ihn auf den Bürgersteig und verpasste ihm eine schallende Ohrfeige: »Bisse bescheuert? Wie kannste dich nur so zum Affen machen? Du blamierst die ganze Familie, Dieter. Oppa würd sich im Grab schwindelig drehen, wenn er dat noch erleben müsste!«
Zwanzig Jahre später war der kleine Dieter aus Wanne-Eickel längst selbst Vater geworden. Und als eines Nachmittags sein weinender Sohn aus dem Kindergarten kam und das Schalker Trikot in die Ecke pfefferte, musste sich Dieter schwer zurück halten, um nicht genau wie sein Bruder damals vor dem elterlichen Haus seinem eigenen Kind eine Ohrfeige zu verpassen. Seit einigen Monaten wohnte die Familie nun schon in Waltrop, 25 Kilometer vor den Toren von Wanne-Eickel. Man hatte sich eigentlich ganz gut eingelebt, dachte Dieter, doch die Realität sah anders aus. An diesem Nachmittag lag sein Sohn auf dem Bett und schluchzte herzerweichend. So hatte er ihn noch nie gesehen. Dieter nahm seinen Jungen in den Arm, tröstete ihn und fragte erst dann, was denn passiert sei. Der Sohnemann blickte seinen Vater aus traurigen Augen an. Schützend hielt er eine Hand vor sein Gesicht: »Papi, versprich mir, dass du nicht böse wirst!«
Sein Vater sah keine andere Möglichkeit, als es ihm hoch und heilig zu versprechen. Sein Sohn richtete sich auf und strich die Tränen aus den Augen: »Papi, ich mag einfach kein Wasser mehr aus der Kloschüssel trinken müssen. Und die Regenwürmer finde ich auch total eklig. Ab heute bin ich lieber Fan von Borussia Dortmund – wie all die anderen Jungs im Kindergarten!«
Alles nur Show? Nein, Erwin Pelzig spielt beim Fußball im TV-Studio mit Silke Rottenberg mit echten Lederbällen. Glasbruch inklusive! Und das vor der Frauenfußball-WM 2011 in Deutschland…
Zum Anschauen des Videos einfach auf das Bild klicken!
Nicht wenige Leute glauben, „ein Lothar Matthäus” könne nicht treu sein. Doch das stimmt sicherlich nur zum Teil. Denn eine Sache scheint ihm in all den Jahren immer hoch und heilig gewesen zu sein: Die Namen seiner geehelichten Partnerinnen haben um alles in der Welt mit einem „a” zu enden. Keine Nicole, Kathrin oder Melanie hatte so je eine echte Chance auf eine Dauerliaison mit dem potenten Mann aus Franken. Eine verstörende Nachricht sicherlich auch für all die Judiths, Chantals und Mechthilds auf unserem runden Erdball, die sich den paradiesischen Träumen eines Lebens an der Seite des ewig Knackigen bisher so eifrig hingaben. Lothar steht auf „a”‘s, da macht der Esel keinen Ausfallschritt.
Seine vier Ehefrauen tragen deshalb auch diese vier herrlich wohlklingenden Namen: Silvia, Lolita, Marijana und Kristina Liliana. Dass man da als Mann allein durch das betörende Klingeln im Gehörgang schwach werden muss, kann man gut verstehen, auch wenn man selbst nicht die Güte der Natur am eigenen Leib erfahren durfte, als „ein Lothar Matthäus” zur Welt zu kommen.
Und vermutlich liegt in genau dieser Vorliebe für Namen mit einem „a” am Ende auch das eigentliche Dilemma unseres großen Rekordnationalspielers. All die Majas, Vanessas, Lindas, Lenas und Glorias, die Lothar jeden gottverdammten Tag über den Weg laufen und ihn nur durch das Aussprechen ihres Vornamens bereits um alle Sinne berauben, machen sein Leben zu einem immerwährenden Spießrutenlauf, auch wenn Matthäus einmal in einer ruhigen Minute selbstbewusst sagte: „Ich, was meine Person betrifft, entscheide alleine”.
Doch gerade das darf tatsächlich bezweifelt werden. Denn neben dem unwiderstehlichen Hang nach Frauen mit einem „a” am Ende des Vornamens kommt Lothar Matthäus anscheinend auch immer wieder das übergroße Angebot des weiblichen Frischemarkts in die Quere. „Nach dem fragens doch dauernd, die spinnerten Weiber”, pflaumte bereits 1985 ein grantiger Tankwart in der Nähe der damaligen Münchener Wohnung des Ehepaares Matthäus unschuldige Damen an, die sich in unseligen Zeiten ohne Navigationsgerät naiverweise vertrauensvoll in die Hände des ölverschmierten Benzinmanns begeben hatten.
Nein, Lothar Matthäus ist und war einfach immer sehr beliebt beim jungen weiblichen Geschlecht. Das muss man auch als Mann ohne Murren neidlos so anerkennen. Und niemand sage bitte, vor allem die lüsterne Frauenwelt nicht, das konnte doch keiner ahnen. Denn bereits Gattin Nummer 1, die blonde Silvia, wusste sehr genau Bescheid, auf welch dünnen Eis sie sich befand. Das „fußball-magazin” notierte im Mai 1985 für die Nachwelt und all die nachkommenden Damen so wunderbar treffend: „Längst hat sie sich daran gewöhnt, dass Ehemann Lothar von weiblichen (meist minderjährigen) Fußball-Fans mit hingebungsvoller Liebe überschüttet wird.” Und daran hat sich bis heute auch ganz offensichtlich nicht viel geändert!
Ben Redelings, geboren 1975, lebt in Bochum als freier Autor und Filmemacher. Seine in schöner Regelmäßigkeit ausverkauften kulturellen Fußballabende SCUDETTO genießen mittlerweile “Kultstatus” (WAZ).
Die ehrenwerte Berufsbezeichnung “Fußballkulturschaffender in Vollzeit” des Radiosenders “1LIVE” hat sich Redelings also redlich verdient.
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Zitat
Die Leistung eines Schiedsrichters ist mit irdischen Gütern nicht zu bezahlen. (Walter Eschweiler) – aus dem Buch: Ein Tor würde dem Spiel gut tun. Das ultimative Buch der Fußball-Wahrheiten