POST uit NL …”vom niederländischen Tellerrand” – Rohrspatzen in Rhododendren

Veröffentlicht am: 27. Februar 2010 | Kategorie(n): POST uit NL

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Ab sofort berichtet unser Niederlande-Korrespondent Moddin Meyer (Rotterdam) in unregelmäßig-regelmäßigen Abständen aus dem Land des Käses, der Tulpen und der Cruyffs.

Besser fluchen
Wir finden Niederländer gerne niedlich, weil sie zum Teddybär „knuffelbeest” sagen und zum Moped „bromfiets” (Brummfahrrad). Die Niedlichländer aber können schimpfen wie Emberizae schoenicli – wie die Rohrspatzen. Was die Fluchkultur betrifft haben sie uns sogar etwas voraus, denn wo der Deutsche in der analen Phase hängen geblieben zu sein scheint (Arschloch, Kacke, Mist, Scheiße), bewegt sich der Holländer bereits in der genitalen Phase (kut, lul, klootzak = „Muschi”, „Schniedelwutz”, Hodensack).

„Verdammte Scheiße!” dürfte sich Marko Pantelic gedacht haben, und „Waarom speelt de klootzak niet af?!” dachten laut die Anhänger Ajax’ ob seiner Leistungen in der Hinrunde.
Mittlerweile ist Pantelic in A’dam angekommen, schießt seine Tore und harmoniert mit Sturmpartner Luis Suarez. Am letzten Spieltag konnte Suarez endlich wieder mit Pantelic jubeln. Suarez war zuvor nämlich gesperrt gewesen, weil der Talentierteste unter den „Göttersöhnen” (ureigener Spitzname der Ajacieden) im Klassiker gegen Feyenoord den gegnerischen Fans den Effenbergfinger gezeigt hatte.
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Feyenoord – Ajax, das ist eine Begegnung, die – frei nach Rummenigge – „an Dramatik nicht mehr zu überschätzen” ist. Und so war die Atmosphäre auch dieses Mal gewohnt giftig.
Ajax gilt als jüdischer Club, viele Anhänger schmücken die Ränge mit Davidsternen. „Het legioen”, der harte Kern der Rotterdamer Fans, begrüßt den Lieblingsfeind traditionell mit „Hamas, Hamas, joden aan het gas!” Die Hauptstädter lassen sich nicht lumpen und schimpfen zurück: „Rotterdam – kankerstad, in de oorlog lag je plat!” = „Rotterdam – Krebs-/Scheißstadt, im Krieg warst du platt(bombardiert)”.

In der eredivisie geschieht es relativ häufig, dass der Schiedsrichter ein Spiel unterbricht, weil von den Rängen verletzende Sprechchöre zu vernehmen sind, am letzten Spieltag war das wieder bei zwei Begegnungen der Fall. Viele halten solche Unterbrechungen für verlorene Liebesmüh’. Die Frage ist: kann man Leuten, die grobe Sprache für natürlich und für ein Grundrecht halten, einen anderen Sprachgebrauch beibringen? Der Vorsitzende des „bond tegen het vloeken” schlägt vor, anstelle des blasphemischen „Godverdomme” solle man, wenn man sich erleichtern müsse (z.B. wenn Pantelic völlig frei aus drei Metern versemmelt) besser fluchen: „Rhododendron!”

3 Kommentare

1. Moddin | 1. März 2010 um 10:45:50

Kleiner Nachtrag:

Gestern wurden alle sechshundert Utrecht-Fans noch vor dem Anpfiff Ajax-FC Utrecht von der Polizei wieder nach Hause geschickt. Die sogenannten Fußballfans hatten vor dem Bahnhof bei der Amsterdam Arena antisemitische Parolen skandiert. Als der Zug schwer demoliert (u.a. um ein paar Fenster erleichtert) wieder in Utrecht einrollte, kam es zu einigen Festnahmen.

Außerdem in diesem Zusammenhang interessant:

Torjubel Pantelic Faschistengruß?

http://www.goal.com/de/news/854/niederlande/2009/12/09/1676297/verwirrung-um-pantelic-torjubel-oder-faschistengru%C3%9F

1. Rundes Leder Browserdiens&hellip | 1. März 2010 um 13:02:33

[...] Sie auch wie ein Holländer fluchen können? Dann lesen Sie aufmerksam diesen Artikel aus dem [...]

1. Moddin | 30. März 2010 um 11:25:11

Wenn ein Schiedsrichter eine Partie komplett abbrechen will, muss er dazu die Zustimmung des Bürgermeisters einholen – der ist schließlich dafür verantwortlich, dass die betreffende Stadt heile bleibt.
Die Bürgermeister von A’dam und R’dam hatten beschlossen, dass Begegnungen zwischen Ajax und Feyenoord bis 2014 ohne Gästefans stattfinden sollen. Nun treffen die beide Clubs aber im Pokalfinale im Rotterdamer Kuijp aufeinander, und man hat sich, ausnahmsweise, auf ein Aufeinandertreffen verständigt. Ich mache am 25. April geschmeidig die Biege…

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