POST uit NL …”vom niederländischen Tellerrand” – Dalai Lama Kramer Dram

Veröffentlicht am: 16. März 2010 | Kategorie(n): POST uit NL

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Ab sofort berichtet unser Niederlande-Korrespondent Moddin Meyer (Rotterdam) in unregelmäßig-regelmäßigen Abständen aus dem Land des Käses, der Tulpen und der Cruyffs.

Auf Krücken über Eselsbrücken
Alle vier Jahre heißt es wieder: „Was für eine schaurige Veranstaltung ist doch dieses Winterolympia – Gott sei Dank ist bald Fußball-WM.” Und wie sagte der Dalai Lama so richtig (oder war es Bertolt Brecht?): „Stellt euch vor es ist Olympia und keiner guckt hin.”

Ich und meine niederländische Süße sehen uns sehr wohl Eisschnelllaufen an. Ich habe keinen blassen Schimmer von diesem Sport, will ihn auch gar nicht haben, aber „Schaatsen” ist in den Niederlanden Volkssport Nr.2, wenn nicht gar Volkssport Nr.1B. Weil mir langweilig ist, fange ich an, die zahllosen Runden zu kommentieren: „Hier in der Kurve kommt er nicht richtig raus!” Fräulein Antje stöhnt laut auf und ätzt: „Mensch Moddin, du hast ja gar keine Ahnung. Fast so wenig wie ich vom Fußball!”

Und tatsächlich: als wir wenig später beim Zappen Bilder vom WM-Finale ’74 sehen fragt sie (nicht zum ersten Mal): „Dieses Finale hattet ihr gewonnen, oder?” Ich (mit Nachdruck): „Ja!” Sie: „Ach, genau. Meine Eselsbrücke ist, dass wir ja gar kein WM-Finale gewonnen haben.”

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Es ist beeindruckend, wie arglos mein Liebchen ein nationales Trauma verulkt (siehe PuNL 7). Der Beste zu sein, aber ohne Gold nach Hause zu gehen, das tut nämlich weh. Jahrzehnte später noch. Ich will mich an diesem Abend ausnahmsweise mit den Niederländern freuen können: der Star dieser Spiele soll Sven Kramer aus Friesland sein. Svencouver! Dass die 10.000 Meter auf schnellem Eis sein Triumph werden, gilt als abgemacht. Und es läuft auch alles wie am Schnürchen – Kramer dreht seine Runden wie eine Maschine, hat vier Sekunden Vorsprung auf den Zweitplatzierten (das sind im Eisschnelllauf Welten!). Doch dann geschieht das Unfassbare: nach 8000m weist der Trainer seinen Schützling versehentlich in die verkehrte Bahn und Kramer wird disqualifiziert.

Das ganze Land ist geschockt, obwohl, oder vielleicht gerade weil es ein allzu bekanntes Bild ist: eine deutsche Läuferin schlittert auf dem Bauch zur Goldmedaille, während Oranje sich einmal mehr selbst schlägt und in Schönheit stirbt. Ein Experte im Studio versucht, die Ungeheuerlichkeit des Gesehenen einzuordnen: „Es ist so, als ob beim Fußball der Trainer auf’s Feld läuft und ein Eigentor schießt!”

Wie gesagt: bald ist Fußball-WM. Und Bert van Marwijk, der Trainer der niederländischen Nationalmannschaft, war früher einmal Stürmer…

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1 Kommentar

1. Moddin | 6. April 2010 um 15:18:01

„Das Herz wurde weit, die Augen tranken und konnten sich nicht satt sehen an allen diesen wunderbaren Bildern. Und wir gelobten, dass wir dem Schicksal immer dafür dankbar sein wollten, dass es uns gewährte, dabei zu sein an den Festtagen eines Olympias, wie es schöner kaum im Märchen sein konnte.“

…und ich kaufe ein ‘a’

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