Als Dirk Drescher am ersten Spieltag der Saison 1985/1986 für den VfL Bochum in Nürnberg den Platz betrat, war er gerade einmal 17 Jahre, 5 Monate und 13 Tage alt. Am Vormittag dieses denkwürdigen Tages erst hatte sein Verein beim DFB eine Spielberechtigung für den jungen Mann eingeholt. Eine weise Entscheidung. Denn nachdem die eigentliche Nummer Eins, Ralf Zumdick, endgültig wegen einer Schulterverletzung hatte passen müssen, schaffte es der Nachwuchstorwart Markus Croonen – ebenfalls in seinem allerersten Spiel überhaupt – gerade einmal bis zur 25. Minute. Dann säbelte er den Nürnberger Reiner Geyer übereifrig von den Beinen und flog unter Tränen vom Platz.
Ein Moment der Stille im Frankenstadion. Schließlich schüttelte sich der VfL-Coach Rolf Schafstall einmal kräftig durch, schaute betreten Richtung Auswechselbank, nahm Stürmer Stefan Kuntz vom Platz und nickte dann dem nervös vor sich hinstarrenden Dirk Drescher zu. Ihn persönlich anzusprechen, traute sich der Trainer nicht, denn Schafstall wusste nicht einmal den Vornamen seines Ersatzkeepers.
Der siebzehnjährige Gymnasiast stand zitternd auf, blickte auf den Boden und deutete stumm auf seine Fußballtreter. »Ich war mit einem Male so nervös, dass ich es nicht schaffte, meine Fußballschuhe zuzubinden«, erinnert sich der Torwart noch heute schmunzelnd an diesen ganz besonderen Moment. Routinier Heinz Knüwe fackelte nicht lange, ging in die Hocke und knotete eine Doppelschleife. Währenddessen erkundigte sich Kapitän Klaus Fischer nach Dreschers Vornamen und Ata Lameck klopfte in einer Tour dem Keeper – und auch ein bisschen sich selbst – mutmachend auf die schmalen Schultern.
Als der VfL Bochum nach neunzig Minuten und nach einem durch und durch unansehnlichen Spiel überraschend mit 1:0 beim Club gewonnen hatte, schien es für einen Augenblick so, als sei ein neuer Stern am Torwarthimmel geboren. Doch der Nürnberger Trainer Heinz Höher kritisierte eher seine Mannschaft, als den jungen Keeper des VfL in den Himmel zu loben. »Wir waren doch nicht einmal in der Lage, einem 13- oder 14jährigen Knaben einen Ball ins Netz zu setzen«, ordnete er die Leistung des von den Medien zum Titelhelden gemachten Nachwuchstorwarts kopfschüttelnd ein.
In Bochum sah man die Dinge ähnlich und verpflichtete über Nacht den alten Gladbacher Meisterspieler Wolfgang Kleff als neue Nummer Eins. Rotsünder Markus Croonen kam in seiner Karriere nur noch zu drei weiteren Einsätzen beim VfL Bochum und für Dirk Drescher blieb der Traum »Fußball-Bundesliga« eine fünfundsechzigminütige Episode ohne Wiederholung.












Hallo Ben,
immer wieder schön Deine Anekdoten aus alten Tagen zu lesen, welche Du immer wieder ausgräbst. Viele liebe Grüsse und bis hoffentlich zum nächsten Scudetto Legenden Abend mit Manni Breuckmann,
Thom