Jeden Freitag wird es ab sofort ein Nicht-Fußball-Video hier zu sehen geben. Den Anfang macht Bonnie Tyler mit dem unsterblichen “Against the Wind”. Dieser Song war die Titelmusik des letzten Schimanski-TATORT “Der Fall Schimanski”. RUHR.2010 mal anders!
“Wann steht denn das Volk endlich mal auf und tut was!”
Nach Karl-Heinz Rummenigges Danke-Gedicht für Franz Beckenbauer dachte man, dass es das mit dem Fremdschämen für dieses Jahr war. Leider mitnichten! Ich wünsche mindestens genauso viel Vergnügen bei den Ausführungen von Christian Anders, wie dieser mit sich selbst hat!
Wer sich fragt, wer Christian Anders ist: Christian Anders - Es fährt ein Zug nach Nirgendwo 1972
“Was liest du?” mit Jürgen von der Lippe: Diane Staehly, Jörg Thadeusz, Uwe Lyko (Herbert Knebel), Cordula Stratmann - neue Folgen im WDR mit der kompletten Bücherliste!
Seien wir ehrlich: Die Iren hätten andersrum wahrscheinlich Ähnliches getan. Aber darum geht es auch gar nicht, denn am Ende bleibt das ernüchternde Fazit: Wir leben (nach wie vor) in einer Gesellschaft, in der gilt - “Der Ehrliche ist der Dumme”. Schade.
Was mich ernsthaft stört im Umfeld der Trainerentlassung von Trainer Marcel Koller beim VfL Bochum, ist dieser leise Unterton bei vielen außenstehenden Betrachtern, die dem “absoluten Fußballfachmann” Koller bescheinigen, einen “super Job” gemacht zu haben und damit direkt/indirekt den vielen Anhängern/Fans dieses Klubs das nötige Wissen, die notwendige Kenntnis absprechen, das Spiel zu verstehen.
Hallo, liebe Medienvertreter, Klopps, Heidels etc. dieser Welt: Habt ihr euch tatsächlich ALLE Spiele des VfL in den letzten Jahren angeschaut? Von der ersten bis zur letzten Minute? Wenn ja, dann lasst uns gerne über alles mögliche diskutieren. Wenn nein, dann fragt doch vielleicht erst einmal bei denjenigen nach, die das getan haben, was sie “gestört” hat!
(Damit ist übrigens nicht gesagt, dass ein neuer Trainer es in Bochum besser machen wird. Das hängt tatsächlich von ihm selbst, von den Rahmenbedingungen, den handelnden Personen und vielen anderen Faktoren ab. Aber ein Versuch ist es alle Male wert. Und abschließend: Danke für vier Jahre erste Liga, Herr Koller. Nicht mehr, aber auch nicht weniger!)
Ich selbst bin im Moment sprachlos. Die Ereignisse beim VfL Bochum (und in der regionalen wie überregionalen Medienlandschaft) erzeugen ein Gefühl der absoluten Leere. In solchen Momenten schaue ich mir gerne zwei Ausschnitte aus dem Film “Wer braucht schon ein Sektfrühstück bei Real Madrid?” mit dem geschätzten Kollegen Christoph Biermann an. Der Film ist von 2004, aber diese Passagen sind zeitlos!
Die Trennung von Trainer Marcel Koller ist beim VfL Bochum wohl nur noch eine Frage von Stunden oder Tagen. Doch was viele Fans erfolgreich zu verdrängen versuchen: Der neue Trainer wird vom alten Personal ausgesucht! Die Satzung spricht vor allem auch dem viel kritisierten Aufsichtsrat und seinem Vorsitzenden eine maßgebliche Funktion zu. Ein Dilemma, das nicht unbedingt Gutes erahnen lässt. Hoffen wir dennoch das Beste!
(Das Foto zeigt ein T-Shirt eines VfL-Fans. Fotografiert beim Pokalspiel in Lotte)
Nadine ist den ganzen Tag schon so komisch. Irgendwas stimmt nicht mit ihr. Wenn ich nur wüsste was. Vielleicht waren die letzten Tage auch für sie ein bisschen viel. Immer von früh bis spät im Laden stehen und abends dann Veranstaltungen. Das hält ja niemand lange aus. Aber irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass da noch etwas anderes ist.
In Moers werden wir herzlich begrüßt. Das Motto des Abends ist „literarisch verzapft“ und so wundert es mich auch nicht sonderlich, dass man uns für den Auftritt hinter einen Tresen stellen will. Christoph kommt gerade noch rechtzeitig und hat Christofer Heimeroth, den Keeper von Borussia Mönchengladbach, unseren heutigen Gast, mit im Gepäck.
Christoph wirkt im Gegensatz zu mir wie das blühende Leben. Wie der das wohl macht? „Na, ihr beiden“, begrüßt er Nadine und mich freudestrahlend mit einer Umarmung, „habt ihr euch auch einen richtig schönen Hochzeitstag gemacht?“
Ich merke, wie mir augenblicklich die Farbe aus dem Gesicht entgleitet und meine letzten Funken Energien irgendwo im Raum verpuffen. Wie konnte ich den nur vergessen? Ich bin ausgelöscht. Auf ewig verdammt. Nie wieder wird auch nur das sanfteste Glücksgefühl meinen Körper durchströmen. Schon am Boden liegend spüre ich noch einen kräftigen Fußtritt in die Magengegend. Nadine straft mich mit einem eiskalten Blick auf das Übelste ab. Es rettet mich einzig und allein die Begrüßungsansprache des Veranstalters. Wir müssen hinter den Tresen. Und ich muss schauen, wie ich aus dieser Situation irgendwie wieder raus komme.
„Herzlich willkommen zu Scudetto an diesem für uns alle so besonderen Tag. Sie haben einfach mir nichts, dir nichts den Tatort am Sonntag sausen lassen und meine charmante Ehegattin hat sich bis jetzt gedulden müssen. Wir haben nämlich heute Hochzeitstag. Und da wollte ich dir natürlich sagen, mein Hase, – vor aller Ohren – wie lieb ich dich habe.“ Die ältere Dame links am Tresen lächelt mir aufmunternd zu. Sie scheint mir mit ihren funkelnden Augen sagen zu wollen: Nur jetzt nicht aufhören. Einen musst du noch oben drauf setzen. Dann hast du sie! „Und wenn wir die nächsten fünfzig Hochzeitstage hier in Moers mit Christoph und Christofer und mit diesem fantastischen Publikum gemeinsam verbringen dürften, dann wäre ich der glücklichste Mann auf Erden.“
Der aufdonnernde Applaus und die kräftige Torhüterprange von Christofer Heimeroth auf meiner Schulter zaubern ein Lächeln in mein Gesicht. All die Energien, die ich auf ewig verloren glaubte, dringen mit einem Schlag zurück in meinen Körper. Gestärkt und voller Zuversicht schaue ich hinüber zu Nadine. Sie steht an eine Wand gelehnt und versucht vergeblich die Hände auszuschlagen, die ihr zu solch einem großartigen Ehemann gratulieren wollen. Schnell wende ich den Blick von ihr ab. The Show must go on.
In der Halbzeit belagern zwei Gladbach-Fans Christofer und weichen ihm nicht mehr von der Seite. Auch dann noch nicht, als wir die zweite Hälfte beginnen wollen. Nach mehreren ergebnislosen Anläufen und verzweifelten Hilferufen von Christofer stelle ich mich hinter den Gladbacher Keeper und lausche dem Gespräch.
„Ey, Christofer, wir steigen doch auf, oder?“
„Tja, das ist nicht so einfach. Wir haben noch…“
„Wir steigen doch auf, Christofer?!“
„Ich kann euch versichern, dass wir in jedem…“
„Christofer, wir steigen auf, oder?!“
„Naja, wir müssen erst einmal gucken, dass wir nächste…“
Das ist ja nicht zum Aushalten. Ich nehme Christofer ein Stück beiseite und flüstere ihm ins Ohr: „Sag ja. Sag bitte einfach nur ja.“ „Ey, Christofer, wir steigen auf, oder?“ Christofer schaut zu mir herüber. Er wirkt verunsichert. Ich nicke ihm aufmunternd zu. Und dann tut er’s: „Ja, klar!“
Die beiden Gladbacher ballen die Fäuste, klopfen ihrem Idol auf den Rücken und drehen dann freudestrahlend ab: „Siehste, habe ich dir doch gleich gesagt: Wir steigen dieses Jahr auf. Meint der Christofer auch!“
Dort, wo Stan Libuda Totoscheine annahm, wo Friedel Rausch komplette Playboy-Ausgaben aufkaufte und Peter Neururer Elefanten-Unterwäsche trug, da schreibt der Fußball seit Jahrzehnten schon die schönsten, witzigsten und peinlichsten Geschichten. Ben Redelings hat sie aufgeschrieben. Er erzählt vom Pöhlen, von Pils und Pokalen entlang der Bundesstraße 1, und der Leser kommt aus dem Staunen und Schmunzeln nicht heraus.
“Ben Redelings hat sich in seinem neuen Buch voller verrückt-skurriler Stories selbst übertroffen” (WAZ)
"Vorbehaltlos auch für Nicht-Ruhrgebietler zu empfehlen." (Übersteiger, St.-Pauli-Fanmagazin)
Ostkurvenmattes: Patrick, da hast du was nicht verstanden! Möge der VfL gewinnen….egal wie!!!!Der...
Leni: Übrigens: das Heft kam gestern schon an. Danke nochmal.
Ben Redelings, geboren 1975, lebt in Bochum als freier Autor und Filmemacher. Seine in schöner Regelmäßigkeit ausverkauften kulturellen Fußballabende SCUDETTO genießen mittlerweile “Kultstatus” (WAZ).
Die ehrenwerte Berufsbezeichnung “Fußballkulturschaffender in Vollzeit” des Radiosenders “1LIVE” hat sich Redelings also redlich verdient.
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Zitat
Das finde ich an den Journalisten so heimtückisch: Die sagen sich, wenn man zum Interview schon keinen Dummen findet, einen Dümmeren findet man allemal. (Uli Stein) - aus dem Buch: Ein Tor würde dem Spiel gut tun. Das ultimative Buch der Fußball-Wahrheiten