POST uit NL …’vom niederländischen Tellerrand’ – Grüß mir die Sonne!

Veröffentlicht am: 8. Februar 2011 | Kategorie(n): POST uit NL

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Seit einiger Zeit berichtet unser Niederlande-Korrespondent Moddin Meyer (Rotterdam) in unregelmäßig-regelmäßigen Abständen schon aus dem Land des Käses, der Tulpen und der Cruijffs.

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Die Flugangst des Fußballbildchens

Ich sitze im Zug nach Utrecht. Zugfahren kann ja eine sehr schöne Angelegenheit sein, wenn man seine Ruhe hat und sich einem guten Buch oder der vorüberziehenden Landschaft widmen kann, wobei „Landschaft“ hier vor allem weiter Himmel, sehr viel Licht und Kühe bis zum Horizont bedeutet. Ich habe mich bewusst ins „Stilte“-Abteil gesetzt – hier heißt es „mobieltje uit!“ und „kop dicht!“, allein: hinter mir dezibelt Rotterdam-Techno und vor mir blubbert eine bräsige Studentin in ihr Handy. Ich versuche mich abzulenken mit Kühe gucken, doch: Pustekuchen! Blindekuh! Irgend so ein Scherzkeks hat meine Fensterscheibe mit Fußballbildchen zugeklebt.

Unverhofft werde ich eines alten Schätzchens gewahr: Dennis Bergkamp in seiner Abschiedssaison bei Arsenal. Ausgerechnet auf der Brust des „Non Flying Dutchman“ prangt „Fly Emirates“. Die Ironie des Schicksals ließ den flugbangen Bergkamp Werbeträger sein für eine Fluggesellschaft! Das Beispiel Bergkamp lehrt, dass man mit seinen Reisegenossen viel mehr Pech haben kann als ich in diesem Augenblick:

Während der WM ’94 teilte sich Oranje ein Flugzeug mit den Sportjournalisten. Nach der Vorbereitung in Kanada kam die Maschine vom Kurs ab, weil mehrere Berichterstatter ihre Laptops an Bord benutzt hatten. Nach dem ersten Gruppenspiel gegen Saudi-Arabien musste eine Notlandung eingelegt werden, weil es einem Journalisten schlecht ging. Und kurz vor dem Abflug nach Dallas schließlich, vor dem Viertelfinale gegen Brasilien, scherzte ein Reporter vom Algemeen Dagblad, er habe eine Bombe im Gepäck, was zur Folge hatte, dass das Flugzeug durchsucht wurde und sich der Weiterflug um acht Stunden verzögerte. Alle Spieler mussten in Gluthitze ausharren, versäumten ein Training, und das Viertelfinale ging trotz eines schönen Bergkamp-Treffers verloren. Nach dieser WM betrat Bergkamp kein Flugzeug mehr. Seine Karriere in der Nationalmannschaft beendete er nach der Euro 2000 im eigenen Land – die WM 2002 in Japan und Korea war buchstäblich unerreichbar, obwohl man ihm in Nord-London nachsagte, er könne übers Wasser gehen.

In Gouda steigt mein neuer Sitznachbar zu, der, schwer atmend, übelriechenden Mac-Wok-Glutaminglibber in sich hinein schlürft, schmatzt, schuftet. Hilfesuchend blicke ich zurück zu Dennis, und stelle mir vor, wie er und ich dazu verdammt sind, bis zum jüngsten Tag in einem Geister-Flugzug über die sieben Weltmeere zu irren…

zu Rotterdam-Techno von Richard Wagner.

POST uit NL …’vom niederländischen Tellerrand’ – Auch Du, mein Sohn?

Veröffentlicht am: 11. Januar 2011 | Kategorie(n): POST uit NL

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Seit einiger Zeit berichtet unser Niederlande-Korrespondent Moddin Meyer (Rotterdam) in unregelmäßig-regelmäßigen Abständen schon aus dem Land des Käses, der Tulpen und der Cruijffs.

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Karbonade, Karate, und ein Scheck für Shrek

Niederländisch-fußballerische Höhepunkte 2010 waren die Meisterschaft des Emporkömmlings Twente Enschede, das verlorene WM-Finale mit Kung-Fu-de Jong, die Hochzeit zwischen Wesley Sneijder und seiner Yolanthe, sowie der unrühmliche Abschied des Ajax-Trainers Martin Jol. Doch der Reihe nach…

Ajax ist Hollands FC Hollywood. Unschöne Trainerentlassungen haben hier Tradition: 1979 z.B. sollte Cor Brom, obwohl er Ajax zum Titel geführt hatte, plötzlich weg. Brom wollte aber nicht, und dann wurden Gerüchte gestreut, er habe Einnahmen aus Testspielen gegen Amateurvereine „abhanden gemacht“. Bei diesen Einnahmen soll es sich neben 5000 Gulden auch um ein Pony und ein halbes Ferkel gehandelt haben. Brom entschied sich dann doch für den goldenen Händedruck.

Den „gouden handdruk“ erhielt auch Martin Jol, nachdem ihm seine rechte Hand Danny Blind durch internes Intrigieren den Dolchstoß verpasst hatte. Der Grund für Assistent Danny, zum Cäsarmörder zu werden: sein Sohnemann Daley erhielt unter Jol nicht genügend Einsätze. Pikanterweise unterzeichnete Talent Daley Blind seinen Vertrag bei dem damaligen Sportdirektor… Danny Blind!

Daley hätte auch der Sneijder-Sippe entstammen können, denn hier enden alle Männernamen auf -y (siehe auch Post uit NL 17). 2010 war DAS Jahr für Wesley Sneijder (Sohn von Barry, Bruder von Rodney und Jeffrey, Vater von Jessey). Die Hochzeit zwischen dem landesbesten Kicker und der, laut FHM, attraktivsten Niederländerin soll zwei Millionen Euro gekostet haben und war eine echte „kijkcijfer“-Kanone (Einschaltquotenhit) – die Bilder der Märchenhochzeit in der Toskana waren zuckersüße Vergangenheitsverdrängung und sollten helfen, die Bilder des WM-Finales vergessen zu machen.

Noch schlimmer als der Karate-Tritt im WM-Finale, noch schlimmer, als dass er Stuart Holden im März und Hatem Ben Arfa im Oktober das Bein brach, wiegt allerdings, dass Nigel de Jong das Foul an Arfa später beim Training lachend nachspielte. Nigel hat übrigens auch einen „Fußballvater“: Jerry de Jong. Der kam zu drei Einsätzen in Oranje, spielte für PSV und für MVV Maastricht, wo man ihn aber feuerte, nachdem er mit der Bankkarte seines Klubkameraden Emerson Geld abheben wollte. Gegenüber solchen Eskapaden mutet der amtierende Meister und Familienverein Twente an wie Eintracht Babelsberg. In diesem Sinne: „Vrede, vreugde, eierkoek voor 2011!“

POST uit NL …’vom niederländischen Tellerrand’ – Großes Tennis!

Veröffentlicht am: 24. November 2010 | Kategorie(n): POST uit NL

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Seit einiger Zeit berichtet unser Niederlande-Korrespondent Moddin Meyer (Rotterdam) in unregelmäßig-regelmäßigen Abständen schon aus dem Land des Käses, der Tulpen und der Cruijffs.

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Goudawelsch

Als Deutschlehrer bereite ich meine Schüler auf die Abschlussprüfung vor, für die sie dann u.a. auch Bewerbungsbriefe schreiben können müssen. Ein Schüler überschreibt seinen Lebenslauf mit „Zentralheizung“. Wenn man die gängige Abkürzung „cv“ im Wörterbuch nachschlägt, findet man nicht nur die Übersetzung für „curriculum vitae“, sondern auch für die „centrale verwarming“. Noch kurioser allerdings ist sein Berufswunsch. Der Gute schreibt: „Ich möchte gerne Eierlikör werden.“ Im Niederländischen sind Eierlikör und Rechtsanwalt gleichlautend: Advocaat.

Ausgerechnet Advocaat! Dick Advocaat gilt als nestbeschmutzender, weil geldgieriger Vertreter der so hochgeschätzten niederländischen Trainergilde. Der „Geldwolf“ aus Den Haag verkackeierte den belgischen Fußballbund, indem er erst neben seiner Tätigkeit als Nationaltrainer Belgiens auch noch ein Engagement bei AZ einging, und dann „plotsklaps“ nach Russland wegging, weil man ihm dort das Zehnfache zahlt. Viele Niederländer schämten sich deshalb ein bisschen vor den Nachbarn im Süden. Viele Fußballfreunde beider Länder hämten sich ein Hütchen als Belgien letzten Mittwoch in Russland 2:0 gewinnen konnte. Es hat sich ausgerechnet!

Als Niederländer schaut man häufiger mal nach Belgien rüber, was da so passiert. Dafür muss man nicht einmal auf einen Berg klettern – Belgien ist auch so ein niedriges Land. Und auch hier spricht man die niedliche Sprache Niederländisch. Vielleicht sogar besser. Zumindest wird das „Große Diktat der niederländischen Sprache“ traditionell von einem Flamen gewonnen. Beide Länder brauchen min. 100 Tage, um eine Regierung zu bilden. Zusammen will man die Fußball-WM ausrichten. Analyst Hugo Borst nannte Fußball-Belgien ein Dritte-Welt-Land und beleidigte damit die belgische Botschafterin der WM-Bewerbung: Justine Henin. Ganz genau: die Tennisspielerin.

Neuerdings spricht man in Belgien auch erstklassig Deutsch: In der ersten Liga spielt seit dieser Saison erstmalig ein Verein aus der deutschsprachigen Gemeinschaft. KAS Eupen misst sich jetzt nicht mehr mit Clubs wie United Overpelt-Lommel, sondern mischt mit in der Jupiler League. Am Samstag bewarb man hier mit einer La Ola die WM-Kandidatur: „Die Eupener Welle soll die schönste sein und der Welt soll gezeigt werden, mit welcher Begeisterung in Eupen Fußball gelebt und gefeiert wird.“ Ein WM-Standort wird Eupen wohl kaum werden, denn dafür ist das Kehrwegstadion mit seinen 8000 Plätzen doch ein wenig zu klein. C’est la Zentral’eizung!

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Moddin Meyer ist mit seinem Programm “Kicken, Kiffen, Käse” unterwegs

SA 27.11 18:00 Uhr im Biercafé Bochum

SO 28.11 17:00 Uhr im Seminarzentrum Witten-Annen

POST uit NL …’vom niederländischen Tellerrand’ – Dam! Dam!

Veröffentlicht am: 12. November 2010 | Kategorie(n): POST uit NL

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Seit einiger Zeit berichtet unser Niederlande-Korrespondent Moddin Meyer (Rotterdam) in unregelmäßig-regelmäßigen Abständen schon aus dem Land des Käses, der Tulpen und der Cruijffs.

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Weine nicht, wenn der Regen fällt

Der holländische Dreisatz lautet: in Rotterdam wird das Geld verdient, in Den Haag verteilt und in Amsterdam zum Fenster rausgeschmissen. Im Niederländischen lautet die Redewendung übrigens „Geld ins Wasser werfen“, denn wenn man hier Geld aus dem Fenster wirft…

Den Haag ist der Regierungssitz, Amsterdam die Hauptstadt und Rotterdam die Arbeiterstadt, in deren Herrenboutiquen man die Hemden mit hochgekrempelten Ärmeln verkauft. R’dam baut einen Wolkenkratzer nach dem anderen und wird wohl erst Ruhe geben, wenn kein Sonnenlicht mehr in die Straßenschluchten fällt.

In A’dam hingegen sitzen Lottogewinner und Lebenskünstler in sonnenüberfluteten Straßencafés und lassen wissen, dass das erste eigene Buch jetzt doch bald fertig wird.

Rotterdam, den ewigen Zweiten, plagt eine Art Calimero-Komplex, immer muss man sich mit den versnobten Hauptstädtern vergleichen, für die die Provinz gleich hinterm Van-Gogh-Museum beginnt.

In nationalen Ranglisten steht Rotterdam nur dann oben, wenn es sich um die Kriminalitätsstatistik handelt. Oder um die Liste der Vorwahlen, denn da heißt es:

Die Vorwahl ist mehr als nur eine Ziffernfolge, die man beim Wählen einer Telefonnummer eingibt – für Rotterdamer ist sie ein Synonym für den Städtenamen, der nie besser klang als in die zwei Zahlen „nul-tien“ übersetzt, dem sich dann auch die Amsterdamer Schnösel unterzuordnen haben. Leider ist das Schicksal ein Scheusal, der Fußballgott ein Quälgeist, und leider verlor Feyenoord am 10. Spieltag im 10. Monat des 10. Jahres mit 10 Mann 0:10 gegen PSV Eindhoven. Das war die höchste Niederlage, die Feyenoord jemals hinnehmen musste. Trainer Mario Been war nach dem Abpfiff nahe am Wasser gebaut, bat seinen Rücktritt an. Doch trotz 0:10 musste Been nicht geh’n. Die Zeitungen feixten „Mit einem Been (Bein) in der zweiten Liga“. Feyenoords technischer Direktor Leo Beenhakker (!) ließ Mario am Stück und sprach: „Wir könnte hier auch alles abreiße un ein Schwimmbad baue… aber das gehen wir lecker nicht tun!“. Stattdessen baut Rotterdam eine Markthalle, das höchste Bürogebäude der Niederlande, das höchste Wohngebäude, einen neuen Bahnhof – wo es letzte Woche übrigens hieß: „Bommelding!“. Klingt zwar lustig, heißt aber „Bombenmeldung“. Eine Fliegerbombe aus dem 2. Weltkrieg. Kennen die aus 020 nur aus dem Fernsehen.

POST uit NL …’vom niederländischen Tellerrand’ – Alles auf Rot!

Veröffentlicht am: 8. Oktober 2010 | Kategorie(n): POST uit NL

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Seit einiger Zeit berichtet unser Niederlande-Korrespondent Moddin Meyer (Rotterdam) in unregelmäßig-regelmäßigen Abständen schon aus dem Land des Käses, der Tulpen und der Cruijffs.

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Augenweiden und Alleinstellungsmerkmale

Da ich ein Fax aus Darmstadt habe (ein beliebter holländischer Kalauer) begebe ich mich auf die Toilette, die hierzulande meist die Abmessungen eines Schrankes hat. Deshalb hängt der „Hard Gras“-Kalender auch unmittelbar vor meiner Nasenspitze. Hier wird heute die Entstehungsgeschichte der Boca Juniors-Vereinsfarben erzählt: Anfang des 20. Jahrhunderts spielte CA Boca Juniors ebenso wie Stadtrivale River Plate in Rot und Weiß – ein Entscheidungsspiel um das Alleinrecht auf diese Farben wurde verloren, und die Juniors-Spieler suchten im Hafen von Buenos Aires nach Inspiration für ihren Neuanstrich. Man einigte sich darauf, dass die Farben der Flagge des ersten Schiffes, das in den Hafen einlaufen würde, die neuen Clubfarben sein sollten. Das erste Schiff fuhr unter schwedischer Flagge ein, und so sind die CABJ-Clubfarben bis heute Blau und Gelb. So weit so gut. Schade nur, dass der Autor dieses Beitrages es sich nicht nehmen lässt, seiner Erleichterung darüber Ausdruck zu verleihen, dass es sich damals nicht um ein deutsches Schiff gehandelt hat: „Maradona in zwart-rood-geel! Brrr.“

Ich werde wohl mal wieder einen Leserbrief schreiben müssen, denn 1907 waren die deutschen Farben noch Schwarz-Weiß-Rot. Das sind auch die Farben des Rekordmeisters PSV Eindhoven. Brrr? So ein Entscheidungsspiel um die Farben Rot-Weiß stünde der Eredivisie ganz gut, denn seit 1964 gab es keinen Meister mehr, der nicht in Rot-Weiß gespielt hätte. Allein die Anordnung dieser beiden Farben taugt als Alleinstellungsmerkmal. Frustrierte Trikot-Designer können sich daher allein bei den Auswärtstrikots austoben – und das tun sie dann auch! Feyenoord z.B. beleidigt das Auge auswärts in vergilbtem Weiß / verblasstem Gelb. In ihren verblichenen Leibchen stolpern die Spieler des einstmals so stolzen Vereins wie schwindsüchtige Sonnenstiche über das Grün. Die größte Verblendung jedoch gelang 1989 mit dem Auswärtstrikot von Ajax: ein 1A-3D-Drogentrip. Der Sponsor müsste eigentlich LSD lauten.

Auch in dieser Saison können sich Ajax’ Anhänger nicht glücklich schätzen mit den Fehlfarben auf Fremdplätzen. Ein frustrierter Fan schlug das Shirt von Leverkusen als Ersatz fürs Ersatztrikot vor. Ja, in solchen Momenten vermisst man die Bundesliga, wo Grün gegen Gelb um den Titel spielt, Königsblau gegen Kackbraun… Entschuldigt bitte, liebe St. Paulianer, auch wenn momentan alles Gold ist, was glänzt, liegt diese Assoziation doch nahe. Hier muss ich Schluss machen, denn meine Mitbewohnerin klopft an den Schrank. Sie hat ein dringendes Fax aus Darmstadt.

POST uit NL …’vom niederländischen Tellerrand’ – Zeter & Mordio!

Veröffentlicht am: 17. August 2010 | Kategorie(n): POST uit NL

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Seit einiger Zeit berichtet unser Niederlande-Korrespondent Moddin Meyer (Rotterdam) in unregelmäßig-regelmäßigen Abständen schon aus dem Land des Käses, der Tulpen und der Cruijffs.

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Katzenjammer, Möwen- und Brudermord

Laut ist das Gezeter im Lande Nieder. Alle Klubs befinden sich in einer schweren Finanzkrise, Vitesse Arnheim hat gar die traurige Ehre, der erste niederländische Klub in den Händen eines ausländischen Investors zu sein.

Der Wechsel des hölzernen Stürmers Marcus Berg vom Hamburger SV zum Rekordmeister PSV wird als Blamage gesehen für eine Liga, die verwöhnt ist von Spitzen á la Bergkamp, Ronaldo, Kluivert, Romario… unter normalen Umständen wäre der ausrangierte Berg eine Personalie für Graafschap Doetinchem. Während in der Bundesliga klangvolle Wechsel die Vorfreude auf eine attraktive Spielzeit schüren, scheint der Fußball in der eredivisie zu einer „veredelten Freizeitbeschäftigung der Faröer-Inseln an der Maas“ (Hugo Camps, NRC Handelsblad) verkommen zu sein.

Lange her, dass Arnold Bruggink Voetbal Internationaal anvertraute, in der Bundesliga den dort so geschätzten Distanzschuss für sich entdeckt zu haben, „auch aus 30m, auch wenn keine Chance auf ein Tor besteht. Schießt du zehn mal erfolglos auf’s Tor macht das gar nichts, denn du hast es wenigstens probiert. „Torschüsse“ zijn erg belangrijk in de Duitse voetbalcultuur.“

Einen wortwörtlichen Mordsschuss hatte Feyenoord Torwart Eddy Treytel, als er 1970 im Derby gegen Sparta eine fliegende Möwe tot schoss. Der Vogel wurde vom Spielfeld entfernt, der weitere Verbleib des Tieres ist unklar. Feyenoord forderte die Trophäe für seinen Scharfschützen, Sparta glaubte ein Recht auf die Möwe zu haben, weil diese einen Feyenoord-Schuss abgewehrt hatte. Heute behaupten sowohl Feyenoord als auch Sparta, dass sich die Möwe in ihrem Clubmuseum befindet.

In der Saison 2010/11 muss die eredivisie ohne dieses Derby auskommen: Sparta, der älteste Fußballclub der Niederlande, verlor in der Relegation gegen den dritten Profiklub von Rotterdam, SBV Excelsior. Im nur 3.500 Zuschauer fassenden Excelsior-Stadion war das Ergebnis 0:0. Auch beim Rückspiel im 10km entfernten Kasteel blieb das kleine Derby bis zur 90. Minute torlos, als Sparta das 1:0 machte. Fernandez erzielte jedoch zwei Minuten später das 1:1, und nun ist Excelsior, mit seinen 600 Dauerkarteninhabern, erstklassig. Erstklassig war tatsächlich die Überraschung, dass Excelsior diesem fußballerischen Fratrizid einen zweiten, lupenreinen Ballbrudermord folgen ließ und am vergangenen Spieltag Feyenoord mit 3:2 besiegte. Was man dabei wissen muss: Excelsior ist ein Satelliten-Club von Feyenoord. Mordio!

POST uit NL …’vom niederländischen Tellerrand’ – Fair is foul!

Veröffentlicht am: 6. Juli 2010 | Kategorie(n): POST uit NL

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Seit einiger Zeit berichtet unser Niederlande-Korrespondent Moddin Meyer (Rotterdam) in unregelmäßig-regelmäßigen Abständen schon aus dem Land des Käses, der Tulpen und der Cruyffs.

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…and foul is fair! Wirbelt durch Nebel und Wolkenhöhn!

Das Viertelfinale gegen Brasilien habe ich in einem Irish Pub geguckt. Nach dem Abfiff überquellende Freude, Menschen springen in die Grachten, glucksen glücklich „Brasilien…“ und keinen Atemzug später „… und jetzt Deutschland!“

Doch zwischen den Spieltagen nagen die Zweifel: darf Oranje mit unansehnlichem Stil erfolgreich sein? Manche trauern dem romantischen Stil hinterher, andere sind stolz darauf, dass man erwachsen geworden ist, und jetzt auch kratzen und beißen kann. Die Zeitungen sind voll davon: We doen het op de Duitse manier! Doch was tun die Deutschen – die machen auf orange.

Hugo Borst, Fußball-Analyst (Cruijff: „der Beste aller Zeiten“) und Chefredakteur der Fußballzeitschrift „Hard Gras“ hat am Sonntag im niederländischen WM-Studio eine historische Liebeserklärung an den deutschen Fußball abgegeben. Im Falle des Traumfinales würde er in einen Gewissenskonflikt geraten, wem er die Daumen drücken solle. Zwar ist Borst Fußballanalyst, doch bleibt er Niederländer, und deshalb wirbelt der Zuhörer bei Borsts Aussage durch Nebel und Wolkenhöhen, wie wenn der Papst Kondome mit Noppen und Kirschgeschmack empfehlen würde.

Eine Laune der Natur? Eine Perversion der kosmischen Ordnung? „Deutschland ist Fußballweltmeister. Alles im Universum ist richtig“ heißt es bei „Teamgeist“, einer interaktiven Adidas-Werbung. In diesem sogenannten Graphic Novel Game tritt Deutschland noch einmal gegen die niederländische Nationalmannschaft von 1974 an. Wer quälte sich schon durch dieses öde Online-Spiel und wer konnte schon ahnen, dass man es hier mit einer Prophezeiung zu tun hatte? Cruijff & Co. werden nämlich als orangene Panzerwagen dargestellt, die ins Stadion einrollen und den Rasen zerpflügen. Versunken die Ära, da man in Deutschland Spieler einbürgern wollte, die für Oranje zu grobschlächtig waren.

Ich kehre zurück zum Irish Pub, vor dem ein Typ sitzt, der so ein bisschen aussieht wie Kevin Keegan. Ich will meine orangene Mütze gegen seine Packung Zigaretten tauschen, doch er schenkt mir lieber ein halbes Dutzend. Wir schmöken und smalltalken. Ich: „You’re Irish?“ Er: „I’m English. Now that we’re out we want you to win!“.

…doch Dutch is deutsch!

POST uit NL …’vom niederländischen Tellerrand’ – FIFA vs. Bier Babes!

Veröffentlicht am: 21. Juni 2010 | Kategorie(n): POST uit NL

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Seit einiger Zeit berichtet unser Niederlande-Korrespondent Moddin Meyer (Rotterdam) in unregelmäßig-regelmäßigen Abständen schon aus dem Land des Käses, der Tulpen und der Cruyffs.

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Vom Coup der guten Werbung

Die Niederlande und Südafrika verbindet Afrikaans – das ist die drittgrößte von elf offiziellen Sprachen des WM-Gastgebers und ein verwirrter Verwandter des Niederländischen. Auf Afrikaans heißt der Computer „blikbrein“ (Blechhirn) und die U-Bahn „moltrein“ (Maulwurfszug). „Sal ek jou vuvuzela instem?“ (Soll ich deine Vuvuzela stimmen?), „Jammer Duitsland, alles is verby!“ (…)

Die Fußballfans beider Länder können sich also leicht verständigen. Was sie weiter verbindet ist eine Leidenschaft für aberwitzige Fanverkleidungen. Die „pletterpet“ (Quetschkappe) trägt man anno 2010 am Kap der guten Hoffnung ebenso wie an den Grachten von Amsterdam. Leider dürfen die von Heineken massenhaft unter das Volk gebrachten Pletterpetten nicht mit hinein in die von Budweiser gesponserten FIFA-Stadien und bleiben in großen Haufen vor den Spielstätten liegen.

Die Bierbrauer von Bavaria aus Brabant haben sich da ein wenig cleverer und/oder unverfrorener angestellt: sie wählten den Weg des Guerilla-Marketings und schickten 36 appetitliche Damen zu der Begegnung Niederlande-Dänemark. Die drei Dutzend Augenweiden waren zunächst als dänische Fans getarnt, doch auf den Rängen zogen sie sich dann aus… bis auf den großzügig geschnittenen „Dutch Dress“ von Bavaria. Der vermeintliche „Flash Mob“ wurde nach dem Spiel verhaftet, zwei der Bavaria Babes, die man als Rädelsführerinnen ausgemacht haben will, werden sich noch vor Gericht verantworten müssen, ihnen drohen sechs Monate Haft.

Niederländische Autoritäten ließen als Reaktion auf diese besondere FIFA-Gesetzgebung in Südafrika wissen, dass man dem Weltverband im Rahmen der WM Kandidatur 2018 keinerlei juristische Befugnisse einräumen werde. Manche sehen die Chancen der Kandidatur damit bereits geschwunden. Das Pikante an der „Guerilla-Attacke“ in Johannesburg und dem Vergeltungsschlag des Imperiums ist, dass sich auf den orangefarbenen Kleidchen keinerlei Hinweis auf Bavaria Bier findet.

Sieht man einmal von dem Straftatbestand der schweren Schleichwerbung ab, sind die Kleidchen bei weitem nicht so sexy wie uns Bavaria weismachen möchte. Aber vielleicht gibt es ja zur EM in Polen und der Ukraine orangene „amperbroekkies“ (Kaumhöschen = Stringtangas), dann erst wird man beurteilen können, ob es sich bei den „smakelijken“ Entkleidungsmädchen auch wirklich um „prikkelpoppies“ (Pin-Up Girls) handelt.

POST uit NL …’vom niederländischen Tellerrand’ – Orangene Orgien!

Veröffentlicht am: 9. Juni 2010 | Kategorie(n): POST uit NL

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Seit einiger Zeit berichtet unser Niederlande-Korrespondent Moddin Meyer (Rotterdam) in unregelmäßig-regelmäßigen Abständen schon aus dem Land des Käses, der Tulpen und der Cruyffs.

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Seks ‘n Voetbal

Die Niederländer staunten nicht schlecht, als ausgerechnet der stets leise lispelnde Fred Rutten am Ende der Saison feststellte: „Wir waren nicht geil genug aufs Tor.“ Das Wort „geil“ hat im Niederländischen nämlich noch stets ausschließlich die biologische Bedeutung „geschlechtlich erregt, brünstig.“ Nun hat der ehemalige Schalke-Trainer also diesen neuen Gebrauch importiert und in die Sprache des Nachbarn eingeführt. Apropos eingeführt:

Gib Gummi!

Torwart-Titan Oliver Kahn musste sich eine Zeit lang mit Bananen bewerfen lassen. Kinkerlitzchen! ADO Den Haag Keeper Stefan Postma flogen in gegnerischen Stadien Dildos um die Ohren, weil er sich von seiner Freundin mit einem Umschnalldildo hatte begatten und obendrein auch noch dabei filmen lassen. Aber die Holländer sind ja traditionell vor allem vorne vom Feinsten bestückt und finden es nicht so wichtig, hinten alles dicht zu machen.

Noch einmal Oliver Kahn, denn wie sagte der Managermotivator so nachhaltig: „Eier, wir brauchen Eier!“ Im Niederländischen heißen jene Eier, die Kahn & Co. mit der Extra-Portion Testosteron versorgen, sinnigerweise „ballen“, und sie überrollen den Sprachgebrauch, auch da, wo naturgemäß gar keine Bälle rollen:

Sven Kramer, der Eisschnellläufer, läuft sich laut Kommentator „die Bälle aus der Hose“, und Geert Wilders, der Rechtspopulist, verlangt, „dass der Premier Bälle zeigt!“

Unser Nachbar scheint in allen Lebenslagen spitz wie Lumpi: „Wat zullen we drinken, zeven dagen lang?“ fragen Niederländer auf die Melodie eines bretonischen Trinkliedes und antworten gleich selbst: „Wij drinken samen, zeven dagen lang!“ und dann prosten sie einander mit einem Glas „Wieckse Witbier“ zu.

Die Sportflecken des Schmachtfetzensängers

Unser alter Bekannter („Rosen für Mamatschi”, o.a.: Post uit NL 11) Jantje Smit posiert in orangener Unterhose und fordert „Zeig dein Band mit Oranje!“, während Nationalspieler Wesley Sneijder seiner Ex-Freundin gerade ein Kind gemacht hat. Es wird wohl ein Junge, und der soll dann, gemäß der Sneijderschen Familientradition, einen Namen erhalten, der auf „y“ endet. Experten halten „Disney“ für durchaus möglich. Ich möchte an dieser Stelle jedoch „Roxxxy“ vorschlagen – so heißt der welterste Sexroboter, der nebenbei noch (oder hinterher) über Fußball reden kann.

POST uit NL …’vom niederländischen Tellerrand’ – Alte Herren, rechte Klebe!

Veröffentlicht am: 4. Mai 2010 | Kategorie(n): POST uit NL

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Ab sofort berichtet unser Niederlande-Korrespondent Moddin Meyer (Rotterdam) in unregelmäßig-regelmäßigen Abständen aus dem Land des Käses, der Tulpen und der Cruyffs.

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Schangeln* für Senioren

Irgendwer hat einmal gesagt, die Jugend sei vorbei, wenn der Lieblingsfußballer jünger ist als man selbst. Nun kann man sich anno 2010 nach dem Abschied von Jens Lehmann zwar verzweifelt an den nächsten Bundesliga-Dino klammern, doch scheinbar unausweichlich stellt sich jenseits der 30 eine gewisse Wehmut ein, welche sich in Panini-Nostalgie äußern kann, im altersungerechten Anlegen eines Fußballbildchen-Albums. In meinem Fall mischt sich in die wehmütige Hinwendung zu vergangenen Zeiten aber auch ein dringender Nachholbedarf, denn als Schüler kriegte ich nur ein einziges Album voll: EM ’88 (in den Niederlanden auch bekannt als „bevrijdingsdagen“). Die Hände zitterten stets beim Einkleben des damals noch vier-teiligen Mannschaftsfotos und jedes Maskottchen-Goldbild wurde doppelt verflucht, weil es gleichbedeutend war mit einem Aufkleber weniger in der Tüte.

Noch während der WM ’90 war mein Taschengeld gepfändet und ich zu hoch verschuldet, um ernsthaft mit einem Album anzufangen. Mein Bruder und ich malten uns deshalb unsere eigenen Sammelbilder, samt Spieler-Info. „Roger Milla: viermal war er der Joker und dreimal traf er ins Tor. Er ist schon sechsunddreißig!“

Heute backe ich keine kleinen Brötchen und gönne mir das Albert Heijn Voetbalplaatjes Verzamelalbum, das sehr edel daherkommt: die Konterfeie der Ehrendivisionäre im Reliefdruck, verziert mit ihrer Signatur in Gold. Mein erstes Bildchen ist gleich Ronald Koeman, der von Alkmaar schon zur Adventszeit gefeuert wurde. Jammer!

Große Pluspunkte sind die Aufmachung des Albums – man hat die originalen Umkleidekabinen abfotografiert – und das Gimmick, jedem Sammler auch eine Online- Version des eigenen Albums anzubieten, wo man „persönliche Geschichten“ zu jedem Spieler und Trainer erfahren kann. Die Geschichte Ronald Koemans ist, dass er beim Betreten der AZ-Gäste-Umkleide stutzte und feststellen musste, dass sein Vorgänger und Intimfeind Louis van Gaal die Kabine mit einer Zwischenwand hatte verkleinern lassen, so dass die Gäste beengt aufeinander hocken mussten. Erste Amtshandlung Koemans war dann, diese taktische Baumaßnahme rückgängig zu machen. „Man muss seine Gäste mit Respekt empfangen. Abgerechnet wird auf dem Platz.“ Genau! Gut gemuht, Kuhmann! Abgerechnet wird außerdem am Ende der Saison, und die Saison ist erst vorbei, wenn das Album voll ist!

* Schangeln, Fuchsen, Anmäuerln, Ditschen, Kitschen, Schebbeln, Webblen, in Witten auch Gallern: die zu tauschenden Fußballkarten gegen die Wand des Klassenraumes oder der Pausenhofmauer werfen – wer mit seinem Bildchen am nächsten an der Wand/Mauer landet, gewinnt den Einsatz der Anderen.

http://voetbalplaatjes.ah.nl/

Emailadres: moddin@gmx.li

Wachtwoord: tornado

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