POST uit NL …’vom niederländischen Tellerrand’ – Alte Herren, rechte Klebe!

Veröffentlicht am: 4. Mai 2010 | Kategorie(n): POST uit NL

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Ab sofort berichtet unser Niederlande-Korrespondent Moddin Meyer (Rotterdam) in unregelmäßig-regelmäßigen Abständen aus dem Land des Käses, der Tulpen und der Cruyffs.

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Schangeln* für Senioren

Irgendwer hat einmal gesagt, die Jugend sei vorbei, wenn der Lieblingsfußballer jünger ist als man selbst. Nun kann man sich anno 2010 nach dem Abschied von Jens Lehmann zwar verzweifelt an den nächsten Bundesliga-Dino klammern, doch scheinbar unausweichlich stellt sich jenseits der 30 eine gewisse Wehmut ein, welche sich in Panini-Nostalgie äußern kann, im altersungerechten Anlegen eines Fußballbildchen-Albums. In meinem Fall mischt sich in die wehmütige Hinwendung zu vergangenen Zeiten aber auch ein dringender Nachholbedarf, denn als Schüler kriegte ich nur ein einziges Album voll: EM ’88 (in den Niederlanden auch bekannt als „bevrijdingsdagen“). Die Hände zitterten stets beim Einkleben des damals noch vier-teiligen Mannschaftsfotos und jedes Maskottchen-Goldbild wurde doppelt verflucht, weil es gleichbedeutend war mit einem Aufkleber weniger in der Tüte.

Noch während der WM ’90 war mein Taschengeld gepfändet und ich zu hoch verschuldet, um ernsthaft mit einem Album anzufangen. Mein Bruder und ich malten uns deshalb unsere eigenen Sammelbilder, samt Spieler-Info. „Roger Milla: viermal war er der Joker und dreimal traf er ins Tor. Er ist schon sechsunddreißig!“

Heute backe ich keine kleinen Brötchen und gönne mir das Albert Heijn Voetbalplaatjes Verzamelalbum, das sehr edel daherkommt: die Konterfeie der Ehrendivisionäre im Reliefdruck, verziert mit ihrer Signatur in Gold. Mein erstes Bildchen ist gleich Ronald Koeman, der von Alkmaar schon zur Adventszeit gefeuert wurde. Jammer!

Große Pluspunkte sind die Aufmachung des Albums – man hat die originalen Umkleidekabinen abfotografiert – und das Gimmick, jedem Sammler auch eine Online- Version des eigenen Albums anzubieten, wo man „persönliche Geschichten“ zu jedem Spieler und Trainer erfahren kann. Die Geschichte Ronald Koemans ist, dass er beim Betreten der AZ-Gäste-Umkleide stutzte und feststellen musste, dass sein Vorgänger und Intimfeind Louis van Gaal die Kabine mit einer Zwischenwand hatte verkleinern lassen, so dass die Gäste beengt aufeinander hocken mussten. Erste Amtshandlung Koemans war dann, diese taktische Baumaßnahme rückgängig zu machen. „Man muss seine Gäste mit Respekt empfangen. Abgerechnet wird auf dem Platz.“ Genau! Gut gemuht, Kuhmann! Abgerechnet wird außerdem am Ende der Saison, und die Saison ist erst vorbei, wenn das Album voll ist!

* Schangeln, Fuchsen, Anmäuerln, Ditschen, Kitschen, Schebbeln, Webblen, in Witten auch Gallern: die zu tauschenden Fußballkarten gegen die Wand des Klassenraumes oder der Pausenhofmauer werfen – wer mit seinem Bildchen am nächsten an der Wand/Mauer landet, gewinnt den Einsatz der Anderen.

http://voetbalplaatjes.ah.nl/

Emailadres: moddin@gmx.li

Wachtwoord: tornado

POST uit NL …’vom niederländischen Tellerrand’ – Spannendes Saisonfinale!

Veröffentlicht am: 24. April 2010 | Kategorie(n): POST uit NL

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Ab sofort berichtet unser Niederlande-Korrespondent Moddin Meyer (Rotterdam) in unregelmäßig-regelmäßigen Abständen aus dem Land des Käses, der Tulpen und der Cruyffs.

Salonfähiges Schmieren?

Diesen Sonntag findet das erste von zwei Pokalendspielen zwischen Ajax und Feyenoord statt. Am vergangenen Freitag hat der KNVB überraschend beschlossen, den KNVB-beker in zwei Spielen, in Amsterdam und Rotterdam auszutragen. Austragungsort des Finales ist eigentlich ausschließlich der Rotterdamer „Kuip“. Die Bürgermeister von A’dam und R’dam hatten bereits letztes Jahr beschlossen, Begegnungen zwischen Ajax und Feyenoord bis 2014 ohne Gästefans stattfinden zu lassen. Für das Pokalfinale hatte man sich zunächst auf eine Ausnahmeregelung verständigt.

Nun aber hatten vor allem Ajax’ Fans die Stimmung im Vorfeld stark angeheizt und den 25. April zum „Bloody Sunday“ erklärt, an dem man die zweite Stadt des Landes ein zweites Mal dem Erdboden gleich machen werde. Politik und Polizei fürchteten um die Sicherheit der Sicherheit, bzw. befanden die nötigen 1 Million € belasting-centjes (Steuergelder) für einen zu hohen Preis. Für den KNVB zahlt sich das doppelte Finale kräftig aus, denn anstelle einmalig 25.000 Karten (Risikospiel mit begrenztem Kontingent) zu verkaufen, kann man nun insgesamt 100.000 (nur Heimfans) an den Mann bringen. Holländischer Geschäftssinn oder das Unvermögen, ein Pokalfinale über die Bühne zu bringen? Die Chancen für eine WM 2018 in den Niederlanden und Belgien seien nunmehr dahin, spotten manche. Viele Feyenoord Fans schäumen, 150 von ihnen stürmten das Training ihrer Mannschaft und forderten diese auf, die bevorstehende Liga-Begegnung gegen Twente Enschede absichtlich zu verlieren, um zu verhindern, dass das verhasste Ajax Meister wird…

…nach dem 2:0 gegen Feyenoord liegt Twente vor dem letzten Spieltag (zwischen den beiden Pokalfinals) einen Punkt vor Ajax, gilt aber nicht unbedingt als Favorit, weil es nach Breda reisen muss: für NAC geht es noch um die Teilnahme am internationalen Geschäft. Ajax-Trainer Martin Jol dachte laut darüber nach, die Bredanaars zusätzlich mit einer Prämie zu motivieren. Ein dicker Scheck von „Shrek“ im Falle eines NEC-Sieges? Der KNVB erklärte, dass dies nicht illegal wäre.

Der schöne Mammon spielte wohl auch eine gewichtige Rolle im Falle des doppelten Dickchens (siehe: Post uit NL 9): Nach nur rund 6 Monaten löst Dick Advocaat seinen Vertrag (bis Sommer 2012) mit dem belgischen Fußballbund auf. In Russland wird er deutlich mehr verdienen. „Wenn der Frühling kommt…“ rollen Rubel, werden Würfel fallen – hoffentlich mit der Honigseite nach oben, und hoffentlich ganz ohne Randale!

POST uit NL …-vom niederländischen Tellerrand- Sprech deutschlisch!

Veröffentlicht am: 30. März 2010 | Kategorie(n): POST uit NL

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Ab sofort berichtet unser Niederlande-Korrespondent Moddin Meyer (Rotterdam) in unregelmäßig-regelmäßigen Abständen aus dem Land des Käses, der Tulpen und der Cruyffs.

Die Deutschkenntnisse der Deichgrafen

Louis van Gaal spricht, neben seiner Muttersprache Niederländisch, fließend Englisch und Spanisch, sowie ungehemmt Pfaffiaans. Geradebrechtes Deutsch, aufs Geratewohl wörtlich aus dem Niederländischen übersetzt, wird auch „Pfaffiaans“ genannt. Mit seinem legendären Interview am Spielfeldrand hat der Belgier Jean-Marie Pfaff diesen Begriff geprägt. Louis van Gaal führt dessen Tradition fort und übersetzt „wir schlafen Löffel an Löffel“ und „der Tod oder die Gladiolen“.

Van Gaals Deutschlehrer, der sich die Gladiolen von unten anguckt, dürfte sich einmal kurz umgedreht haben, denn nun hat die Deutsche Sprachwelt seinen ehemaligen Schüler, diesen radebrechenden Rumpelstilblütenausleser zum „Sprachwahrer des Jahres 2009“ ernannt. Irgendwer muss da irgendetwas falsch verstanden haben…

Es ist nicht leicht, hier Deutschlehrer zu sein, wenn Schüler schreiben: „Deuts is de schlezte scheiB-fak von die heile wereld!“. Nur Mathematik und Geschichte sind ebenso unbeliebt: „Der Berlijn muur is aufgestich, gemakt für beschirmung der Belgiers“. (Hoffentlich hat Jean-Marie sich auch artig bei den Schirmherren bedankt.)

Ich sollte vielleicht erwähnen, dass schlechtes Deutsch zu sprechen fast als eine Art rückwirkender Widerstand gilt, ebenso wie deutschen Touristen den verkehrten Weg zu weisen. Man foppt den „Mof“, der bei laufendem Motor aus dickem Benz „Bahnhof!?“ blafft, und schickt ihn mit den Worten „Immer geradeaus!“ Richtung Landesgrenze.

Neben den Widerstandskämpfern und den Fußballern die immer geradeaus reden, gibt es aber noch den Bildungsbürger, der sehr gerne schwerwiegende deutsche Wörter in seine Rede einfließen lässt, so wie „salonfähig“ und „Schwalbe“. Dieser Bildungsniederländer hat soeben sein liebstes deutsches Fremdwort im Niederländischen gewählt: Fingerspitzengefühl.

Letzteres ging den Schalker Fans wohl ab, die im Feyenoord-Stadion, ausgerechnet am Rand der sogenannten „Brandgrenze von 1942“ sangen: „Es kommt die Zeit (hoho) in der das Wasser wieder steigt!“ (auf eine 3-Promille-Melodie der Toten Hosen).

Nein, Fingerspitzengefühl und Fußball gehen schlecht zusammen, das können sie gerne Jean-Marie Pfaff fragen, der ihnen dann vielleicht von den 27 Knochen der menschlichen Hand erzählen wird: „Mar ja, das ist fusbal.“

POST uit NL …”vom niederländischen Tellerrand” – Dalai Lama Kramer Dram

Veröffentlicht am: 16. März 2010 | Kategorie(n): POST uit NL

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Ab sofort berichtet unser Niederlande-Korrespondent Moddin Meyer (Rotterdam) in unregelmäßig-regelmäßigen Abständen aus dem Land des Käses, der Tulpen und der Cruyffs.

Auf Krücken über Eselsbrücken
Alle vier Jahre heißt es wieder: „Was für eine schaurige Veranstaltung ist doch dieses Winterolympia – Gott sei Dank ist bald Fußball-WM.” Und wie sagte der Dalai Lama so richtig (oder war es Bertolt Brecht?): „Stellt euch vor es ist Olympia und keiner guckt hin.”

Ich und meine niederländische Süße sehen uns sehr wohl Eisschnelllaufen an. Ich habe keinen blassen Schimmer von diesem Sport, will ihn auch gar nicht haben, aber „Schaatsen” ist in den Niederlanden Volkssport Nr.2, wenn nicht gar Volkssport Nr.1B. Weil mir langweilig ist, fange ich an, die zahllosen Runden zu kommentieren: „Hier in der Kurve kommt er nicht richtig raus!” Fräulein Antje stöhnt laut auf und ätzt: „Mensch Moddin, du hast ja gar keine Ahnung. Fast so wenig wie ich vom Fußball!”

Und tatsächlich: als wir wenig später beim Zappen Bilder vom WM-Finale ’74 sehen fragt sie (nicht zum ersten Mal): „Dieses Finale hattet ihr gewonnen, oder?” Ich (mit Nachdruck): „Ja!” Sie: „Ach, genau. Meine Eselsbrücke ist, dass wir ja gar kein WM-Finale gewonnen haben.”

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Es ist beeindruckend, wie arglos mein Liebchen ein nationales Trauma verulkt (siehe PuNL 7). Der Beste zu sein, aber ohne Gold nach Hause zu gehen, das tut nämlich weh. Jahrzehnte später noch. Ich will mich an diesem Abend ausnahmsweise mit den Niederländern freuen können: der Star dieser Spiele soll Sven Kramer aus Friesland sein. Svencouver! Dass die 10.000 Meter auf schnellem Eis sein Triumph werden, gilt als abgemacht. Und es läuft auch alles wie am Schnürchen – Kramer dreht seine Runden wie eine Maschine, hat vier Sekunden Vorsprung auf den Zweitplatzierten (das sind im Eisschnelllauf Welten!). Doch dann geschieht das Unfassbare: nach 8000m weist der Trainer seinen Schützling versehentlich in die verkehrte Bahn und Kramer wird disqualifiziert.

Das ganze Land ist geschockt, obwohl, oder vielleicht gerade weil es ein allzu bekanntes Bild ist: eine deutsche Läuferin schlittert auf dem Bauch zur Goldmedaille, während Oranje sich einmal mehr selbst schlägt und in Schönheit stirbt. Ein Experte im Studio versucht, die Ungeheuerlichkeit des Gesehenen einzuordnen: „Es ist so, als ob beim Fußball der Trainer auf’s Feld läuft und ein Eigentor schießt!”

Wie gesagt: bald ist Fußball-WM. Und Bert van Marwijk, der Trainer der niederländischen Nationalmannschaft, war früher einmal Stürmer…

POST uit NL …”vom niederländischen Tellerrand” – Rohrspatzen in Rhododendren

Veröffentlicht am: 27. Februar 2010 | Kategorie(n): POST uit NL

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Ab sofort berichtet unser Niederlande-Korrespondent Moddin Meyer (Rotterdam) in unregelmäßig-regelmäßigen Abständen aus dem Land des Käses, der Tulpen und der Cruyffs.

Besser fluchen
Wir finden Niederländer gerne niedlich, weil sie zum Teddybär „knuffelbeest” sagen und zum Moped „bromfiets” (Brummfahrrad). Die Niedlichländer aber können schimpfen wie Emberizae schoenicli – wie die Rohrspatzen. Was die Fluchkultur betrifft haben sie uns sogar etwas voraus, denn wo der Deutsche in der analen Phase hängen geblieben zu sein scheint (Arschloch, Kacke, Mist, Scheiße), bewegt sich der Holländer bereits in der genitalen Phase (kut, lul, klootzak = „Muschi”, „Schniedelwutz”, Hodensack).

„Verdammte Scheiße!” dürfte sich Marko Pantelic gedacht haben, und „Waarom speelt de klootzak niet af?!” dachten laut die Anhänger Ajax’ ob seiner Leistungen in der Hinrunde.
Mittlerweile ist Pantelic in A’dam angekommen, schießt seine Tore und harmoniert mit Sturmpartner Luis Suarez. Am letzten Spieltag konnte Suarez endlich wieder mit Pantelic jubeln. Suarez war zuvor nämlich gesperrt gewesen, weil der Talentierteste unter den „Göttersöhnen” (ureigener Spitzname der Ajacieden) im Klassiker gegen Feyenoord den gegnerischen Fans den Effenbergfinger gezeigt hatte.
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Feyenoord – Ajax, das ist eine Begegnung, die – frei nach Rummenigge – „an Dramatik nicht mehr zu überschätzen” ist. Und so war die Atmosphäre auch dieses Mal gewohnt giftig.
Ajax gilt als jüdischer Club, viele Anhänger schmücken die Ränge mit Davidsternen. „Het legioen”, der harte Kern der Rotterdamer Fans, begrüßt den Lieblingsfeind traditionell mit „Hamas, Hamas, joden aan het gas!” Die Hauptstädter lassen sich nicht lumpen und schimpfen zurück: „Rotterdam – kankerstad, in de oorlog lag je plat!” = „Rotterdam – Krebs-/Scheißstadt, im Krieg warst du platt(bombardiert)”.

In der eredivisie geschieht es relativ häufig, dass der Schiedsrichter ein Spiel unterbricht, weil von den Rängen verletzende Sprechchöre zu vernehmen sind, am letzten Spieltag war das wieder bei zwei Begegnungen der Fall. Viele halten solche Unterbrechungen für verlorene Liebesmüh’. Die Frage ist: kann man Leuten, die grobe Sprache für natürlich und für ein Grundrecht halten, einen anderen Sprachgebrauch beibringen? Der Vorsitzende des „bond tegen het vloeken” schlägt vor, anstelle des blasphemischen „Godverdomme” solle man, wenn man sich erleichtern müsse (z.B. wenn Pantelic völlig frei aus drei Metern versemmelt) besser fluchen: „Rhododendron!”

POST uit NL …”vom niederländischen Tellerrand” – Spieglein, Spieglein…

Veröffentlicht am: 15. Februar 2010 | Kategorie(n): POST uit NL

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Ab sofort berichtet unser Niederlande-Korrespondent Moddin Meyer (Rotterdam) in unregelmäßig-regelmäßigen Abständen aus dem Land des Käses, der Tulpen und der Cruyffs.

…von Jantje und Yolanthe, von Schlumpfine und Wichtelmann

Die erste Spielerfrau im Lande Nieder, die Dutch First Football Lady sozusagen, ist eigentlich „unsere” Sylvie van der Vaart, aber der Thron wird ihr mittlerweile streitig gemacht von Yolanthe Cabau van Kasbergen.

Yolanthe spielte zwar in der Fernsehserie „Voetbalvrouwen” die Rolle der Kate – eine Dame, die verantwortlich ist für das Make-Up der Fußballfrauen („Toll, dass ich die Chance habe, mich als Schauspielerin weiter zu entwickeln.”) – war am Anfang ihrer Karriere aber erst einmal „nur” die Freundin von Jan Smit. Jantje war ein Kinderstar in den Niederlanden, bis er das -je an seinem Namen weg ließ, den samenschwappenden Schlager „Und es war Sommer” (ich war 16 und sie war 31) interpretierte und sich auf spanisch „für immer eins mit dir, Y.” auf den Unterarm tätowieren ließ. Jan und Y. verlobten sich. Doch dann flüchtete Y. nach Madrid, in die Arme von Wesley Sneijder. (In der Familie Sneijder übrigens enden alle Männernamen auf Y: der Vater heißt Barry, die Brüder Jeffrey und Rodney, der Sohn Jessey.) Die vereitelte Schwiegermutter Smit warf Yolanthe im Fernsehen vor, sie habe ihrem Jantje Bettdecken, Kerzenständer, Seidenblumen, Käsehobel, Christbaumkugeln, etc. p.p… gestohlen. Ganz Holland ergötzte sich an einem sommerlöchrigen Schmierentheater, selbst Premier Balkenende äußerte in einer Pressekonferenz sein Bedauern über das Ende dieser Beziehung.
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Jetzt, im Frühjahr 2010 lassen sich die Niederländer gern die Zeit vertreiben von einer belgischen Zeichentrickfigur: Kabouter Wesley. Dieser schlecht gezeichnete und noch schlechter gelaunte Wichtelmann flucht und prügelt sich in die Herzen der Flachländer. Da Wesley Sneijder auf dem Platz auch gerne mal die Hutschnur platzt, und er ohne Hut auch nur auf 1,70m kommt, hat er jetzt einen neuen Spitznamen: Wichtel Wesley.
Letztes Wochenende schmollte der rotgesperrte Wesley alleine in der frisch bezogenen Mailänder Wohnung, denn Yolanthe moderierte den niederländischen Vorentscheid zum European Song Contest. Sechs Kandidaten traten mit ein- und demselben, von Vader Abraham komponierten Lied, gegeneinander an. Zwei Dinge wurden dabei deutlich: 1. Yolanthe ist die Schönste im ganzen Land 2. mit der Schlumpfine, die Abrahams „Ik hou van jou” singen darf, säuft Holland in Oslo ab. „Sha-la-li!”

POST uit NL …”vom niederländischen Tellerrand” – Schneekönige

Veröffentlicht am: 16. Januar 2010 | Kategorie(n): POST uit NL

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Ab sofort berichtet unser Niederlande-Korrespondent Moddin Meyer (Rotterdam) in unregelmäßig-regelmäßigen Abständen aus dem Land des Käses, der Tulpen und der Cruyffs.

Unwahrscheinliche Meister unter sich

Das letzte Mal, das ich meinem Verein lebendigen Leibes beiwohnte war in der Saison 1996/97 auf dem Bökelberg, als Bayer einen 2:0 Vorsprung und eine geradezu unverschämte Überlegenheit doch noch aus den Händen gab (Martin Dahlin zum 2:2 in der 90. Minute) und mit diesem Unentschieden die erste Weiche Richtung Vizemeisterschaft stellte. Ausgerechnet auf dem Bökelberg!

Ausgerechnet ins Stadion von Twente Enschede, wo er 1975 im UEFA-Cup Finale einen stubenreinen Hattrick erzielte und Mönchengladbach den UEFA-Cup bescherte, ausgerechnet in die Grolsch-Veste führte vergangenen Freitag Jupp Heynckes die Werkself zum Freundschaftsspiel gegen den niederländischen Herbstmeister.

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Das einer wie ich, ein Stadionmuffel, sich in den Zug setzt und 4 Stunden durch das verschneite Niederland juckelt, um ein Freundschaftsspiel anzusehen, liegt daran, dass mein Schwiegervater glühender Anhänger Twentes ist und mich eingeladen hatte.

Die Zugfahrt allerdings hat sich gelohnt: wir sitzen so nah dran, dass ich das Weiße in den Augen sehen kann.
Tranquillo Barnetta ist in Hörweite, und obwohl ich der Einzige der 8000 Zuschauer bin, der es mit Leverkusen hält, fasse ich mir ein Herz und rufe: “Leverkusen!”. Tranquillo bleibt ruhig, aber der Typ neben mir grunzt: “Dicht je kop!”. Ich mache den Kopf zu, aber hinter mir öffnet sich ein verpeilter Twentenaar, in gebrechlichem Deutsch macht er mir weis, den Rasen in der Grolsch-Veste verlegt zu haben. “Een Draum! Das schönste wat du dich kannst vorstellen. Als ich die Wahl hatte swischen ein Nacht mit Pamela Anderson un’dat hier (er weist auf den beheizten Rasen) ich sollte wählen dat hier!”

Ein anderer Tribünengast liest das „ß” auf Kießlings Trikot scheinbar als „b”, denn er brüllt „Mijnheer Kibbeling (Herr Rollmops), sta op!”. Und tatsächlich: Kießling rollt das ein oder andere mal auf dem Rasen. „…geh von das Heizung!”

Der belgische Schiedsrichter kriegt auch noch sein Frittenfett weg und man besingt seinen Friet-Hof-Bauch. Auf dem Weg zurück zum Bahnhof komme ich an einer Mauer vorbei, auf der steht „Eenmaal zullen wij de kampioenen zijn”, was ja für beide Clubs gilt.

Ach ja, das bin ich noch schuldig: 2:1 voor de Duitsers – das deutsch-niederländischste Ergebnis wo gibt.

POST uit NL …”vom niederländischen Tellerrand” – Da brennt der Baum!

Veröffentlicht am: 3. Januar 2010 | Kategorie(n): POST uit NL

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Ab sofort berichtet unser Niederlande-Korrespondent Moddin Meyer (Rotterdam) in unregelmäßig-regelmäßigen Abständen aus dem Land des Käses, der Tulpen und der Cruyffs.

Mit etwas Verspätung  – aber wo es gerade überall so schön geschneit hat, möchte ich euch den Text nicht vorenthalten…

Friede, Freude, Lebkuchen?
Weihnachten, die Zeit der Besinnlichkeit, der Liebe und Versöhnung? Nie gibt es mehr Zoff als in den Tagen rund um den Christkindgeburtstag. Das gilt für die bucklige Verwandtschaft. Für den Fußballzirkus gilt: gut, dass es die Winterpause gibt. Oder?
Totgesagte leben länger. Die Nachrufe auf Louis van Gaal liegen seit Wochen vorformuliert auf den Schreibtischen der Redaktionen - hüben wie drüben. In den Niederlanden begann man aber bereits, sich Sorgen zu machen um den schrulligen Übungsleiter, denn selbst die Qualitätsmedien der Bundesrepublik wetzten die Filetmesser, und van Gaal „dessen verächtliches Verhalten anderen Menschen gegenüber, dessen gottgleiches Gehabe” (11 Freunde) man wohl nicht mehr länger erdulden wollte, wurde im wahrsten Sinne des Wortes abgeschrieben.

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Die Buchmacher sahen also eigentlich Louis’ Kopf eher rollen als den seines alten Intimfeindes und Nachfolgers bei AZ, Ronald Koeman. Alkmaar kassierte gegen Standard Lüttich zu Hause in der 95. Minute den Ausgleichstreffer zum 1:1, was für Standard den Verbleib in der Europa League und für AZ das totale Aus bedeutete. Das Tor erzielte Lüttichs Torwart, ausgerechnet – quel Kalauer – nach einer Standardsituation!

Die Niederländer rächten sich gar perfide am südlichen Nachbarn, nämlich indem sie Dick Advocaat als Koemans Nachfolger engagierten. Advocaat ist Nationaltrainer Belgiens. Nun hat er einen Doppeljob. Bei AZ spielen vier Belgier, allesamt Nationalmannschaftskandidaten – da ist Ärger vorprogrammiert! Advocaat könnte theoretisch der erste Trainer werden, der an einem Tag zweimal entlassen wird…
Auch unterklassigen Vereinen kann es gelingen, sich mit spektakulären Trainerentlassungen in die Schlagzeilen zu bringen. Der Amateurverein DOTO aus Rotterdam-Pernis hat seinen Trainer Gijs Zwaan entlassen. Grund für die Beurlaubung ist nicht nur der enttäuschende Tabellenplatz, sondern auch die mangelnde Disziplin. So zeigte Stürmer Mike van Gool nach einem Tor, im Jubel rauschig, seinen bloßen Arsch her – sehr zur Entlustigung des Hauptsponsors. Es war denn auch der Sponsor, der erfolgreich auf die Entlassung drängte.
Eine Trainerentlassung unterm Tannenbaum, einen Rauswurf an Heiligabend hat es bislang noch nicht gegeben. Es ist mein frommer Wunsch, dass dies für immer so bleiben möge. In diesem Sinne: Vrolijke kerstdagen en een gelukkig 2010!

POST uit NL …”vom niederländischen Tellerrand” – Bayern bechern gratis

Veröffentlicht am: 13. Dezember 2009 | Kategorie(n): POST uit NL

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„Man muss nicht auf alle Schnecken Salz legen…

…sagt man das so auf Deutsch?“ Nein, lieber Mark van Bommel, diese schöne niederländische Redewendung gibt es so beim Nachbarn nicht. Macht aber nichts, was zählt, ist das, was hinten raus kommt. Einen Korinthenkacker nennt man im Niederländischen übrigens auch „mierenneuker“, was wörtlich Ameisenficker bedeutet. Zum Glück ist van Bommel auf der Pressetribüne nicht dieser Vergleich eingefallen.

Apropos Ameisen und Schnecken: es ist Dienstagabend und in Deutschland müsste ich jetzt „Tierärztin Dr. Mertens“ gucken; Nederland 3 aber lockt mit Juve-Bayer, vollkommen Free-TV! Da will ich „langdurig lonken“ (längerwährend liebäugeln). Zahlreiche Gläser Grachtenpis sind schon kaltgestellt…

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Eigentlich ist es unschön, italienischen Mannschaften beim kattenatschen zuzusehen. Es ist wie 3×3 Stunden „Herr der Ringe“ glotzen, und am Ende gewinnen immer die Orgs. Und genau danach sieht es anfangs auch aus. 1:0 und „Juventus laat zich zakken“. Doch dann kommt der Streudienst Schweinsteiger & Sportsfreunde, und schaufelt Salz. In der 30. Minute tritt dann Hajö Butt an, und es ist wieder wie in den guten alten Leverkusener Champions League Tagen: „There’s no 1 Butt you!“

Der holländische Kommentator stimmt in meinen Jubel ein. Wie er, befinden sich momentan viele niederländische Fußballfreunde in einer nie gekannten Lebenslage: War Bayern München hierzulande stets der liebste Feind (siehe: Post uit NL 1), so drückt man jetzt „vanzelfsprekend“ diesem Verein die Daumen, der schließlich vier Landsleute beschäftigt.

58. Minute: Diego kriegt „een tikje“ von van Bommel und „stelt zich een beetje aan“. Keine Karte. Die Partie bleibt lange hoch spannend. In der 78. Minute gesellt sich meine Freundin zu mir: „Ich dachte, Du wärst gegen Bayern“. Nicht jetzt! Mich zerreißt es vor Spannung und Harndrang. Ich darf tatsächlich in den Bananenbaum pinkeln, damit ich kein Tor verpasse (kann nicht ahnen, dass ich damit zum Trendsetter mutiere). Ich verpasse das Tor nicht. „Het is dik verdiend! Het feest is compleet! Bayern bekert door!“

Auch ich becher weiter, denn ich trinke darauf, dass die Bayern durch sind im Pokal, den die Holländer nüchtern „Becher“ nennen. Auf die K.O.-Runde, und darauf, dass die Bayern auch beim nächsten Mal gratis bechern. Prost!

POST uit NL …vom niederländischen Tellerrand – Bernd die Mutter

Veröffentlicht am: 30. November 2009 | Kategorie(n): POST uit NL

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Ab sofort berichtet unser Niederlande-Korrespondent Moddin Meyer (Rotterdam) in unregelmäßig-regelmäßigen Abständen aus dem Land des Käses, der Tulpen und der Cruyffs.

Hölzenbein ik hör Dir trappsen

„Niederländisch lernen? Die verstehen doch alle Deutsch?!“, sagt zu mir, auf der Familienfeier, der Mann von der Schwester von… sagt Udo. „Also ich bestelle meine Pommes in Scheveningen immer schön auf Deutsch. Und wenn der Kollege dann so tut als würd’ er nichts kapier’n, dann sach ich: Mach hinne Meister, einma Rot-Weiß, aber Zack! Zack!“

„Zack! Zack!“ – und ich Traumtänzer vergeude wertvolle Lebenszeit, indem ich drei Semester niederländische Konversation studiere! „Zack! Zack!“ – die SS-Runen unter den Höflichkeitspartikeln.

Doch nicht nur an der Frittenbude lässt es sich vortrefflich in Fettnäpfchen stapfen. Hollands Kanäle, Siele, Grachten bieten sich dem Deutschen dar wie ein fein ge-sponnenes, landesweites Fettnäpfchen, und der Deutsche ist sich nicht zu schade, hinein zu stürzen wie eine brennende Hindenburg.

Wie tief manche Wunden sind, merkt man erst, wenn man sie aufreißt. Man sitzt mit Holländern in der Kneipe, trinkt in fröhlicher Runde ein Bier nach dem andern (und wird doch nicht betrunken) und man sagt völlig arglos: „Im Trinken bin ich Beckenbauer“. Null Reaktion. „…beim Biertrinken bin ich ein Weltmeister!“ Wo eben noch Lärm und lustiger Tisch, glotzt nun der stumme Fisch… een stille matjes sozusagen.

Das Wort Weltmeister hat hierzulande einen mindestens ebenso schlechten Klang wie Weltkrieg. Oder wie „Schwalbe“.

Kennen gelernt haben die Niederländer dieses Wort, bzw. das Phänomen 1974 als im WM-Finale hölzerne Beine in den niederländischen Strafraum einmarschierten und abhoben. Hölzenbein log, Hölzenbein flog – und ist seit diesem Moment fester Bestandteil eines nationalen Traumas.

Die Niederländer haben tatsächlich „Schwalbe“ als deutsche Fremdwort in ihre Sprache aufgenommen. Es gab Versuche, ein eigenes, ein niederländisches Wort zu finden, sowie „fopduik“, „kunstduik“, oder auch „robben“ – denn obwohl die Niederländer die Schwalbe als eine teutonische Tugend betrachten, hat Arjen Robben es hierin zur Meisterschaft gebracht (und in den niederländischen Augen folgerichtig beim Rekordmeister angeheuert). Doch es kann nur einen geben: Bernd Hölzenbein ist die Mutter aller Schwalben!

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