
Ata Lameck machte eine Stunde vor einer öffentlichen Veranstaltung ein
ernstes Gesicht: »Hömma, gib dem Hermann heute aber mal keinen Alkohol.« Das Bochumer Urgestein nickte angestrengt mit dem Kopf und hinterließ den Eindruck, man müsse einen trockenen Alkoholiker vor dem ersten Glas Sprit seit Jahren bewahren. Doch die Aufregung schien umsonst. Als der Nachwuchs-Trainer des FC Bayern München den Backstage-Bereich betrat, wünschte er einen Milchkaffee – ganz ohne Schuss. Doch Minuten später reagierte Hermann Gerland auf die Frage nach einem Bühnengetränk mit der Antwort: »Da würde ich dann schon gerne ’nen Gläschen Whiskey-Cola-light trinken.« Und Ata Lameck, der direkt neben seinem Freund Hermann saß und ihn mit einem Satz hätte retten, beschützen und aus dieser misslichen Lage befreien können, sagte nicht etwa beschwichtigend: »Och, Hermann, lass uns doch heute mal was ohne Alkohol trinken.« Nein, der Bochumer Rekordspieler nickte nur mit dem Kopf und erwiderte energisch: »Ja, würde ich dann auch nehmen wollen!«
Kurze Zeit später riss sich Hermann Gerland die Hose herunter und lächelte die begeisterte Runde an: »Guckt mal, was hier steht. Hab ich zum Geburtstag bekommen!«
Die Leute reckten die Köpfe nach vorne und beäugten des Trainers Unterhose. Dann sagte einer laut für alle, was vorne auf den Shorts stand: »Trainer-Stab«. Ata Lameck drehte sich grinsend zu seinem Freund um und meinte trocken: »Hermann, aber bei dir doch eigentlich nur Trainer-Stäbchen!«
Auf der Bühne erzählte Gerland dann eine Geschichte aus früheren Zeiten: »Als ich in Kaiserslautern gespielt habe, da flogen dort Fledermäuse durchs Stadion. Und dann stand da ein Linienrichter. Einer von den Lauterern war drei Meter im Abseits, da hat der gewagt, die Fahne zu heben. Aber nur ein Mal. Beim zweiten Mal stand einer sechs Meter abseits. Da hat der Opa mit der Krücke, der schon beim ersten Mal nicht einverstanden war, hinter ihm gesagt: ›Hebst du noch ein Mal die Fahne, Junge, ich hau dir mit der Krücke die Fahne runter!‹ Und das hat er nicht nur gesagt!«
Am Ende eines erlebnisreichen Abends erzählte Hermann Gerland, dass er früher ein Fan von Wolfgang Overath gewesen sei. Und um seiner Frau kurz zu zeigen, dass er mit seiner Meinung richtig lag, rief er in Bochum bei seinem Freund Ata Lameck an: »Ata, sag mal, wer war besser: Netzer oder Overath.« Und Lameck antwortete überlegt: »Kein Problem. Lass es mich in einem kleinen Vergleich sagen. Ich war Overath und du warst Netzer!« Hermann Gerland bedankte sich, lächelte und legte auf. Nun wusste auch seine Frau Bescheid, welcher Fußballer damals der größere von beiden war.
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Der Text ist ein Ausschnitt aus dem Buch “Halbzeitpause: Die Fußball-Klolektüre”!
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