Manchmal ist Fußball eben doch ganz einfach. Ausgeklügelte Spielsysteme, hochbezahlte Profis, intelligente Trainer, engagierte Fans – all das kann man als Erfolgsfaktoren auf dem Weg zum viel zitierten »Dreier« getrost vergessen. Der Trainer des designierten Meisters dieser Spielzeit, Jupp Heynckes, hatte in Wolfsburg schnell erkannt, woran es diesmal haperte: »Der Rasen war sehr stumpf.« Und wichtig im Nachsatz: »Das ist auch mit Intention geschehen!« Man rekapituliere also: Was der Wetter-Gott nicht schafft, Felix Magath kann es!
Stumpfer, trockener Rasen in einer Jahreszeit, die mich dazu brachte, T-Shirts mit dem Aufdruck »Dem-Fritz-Walter-sein-Wetter-Sommer« zu drucken, ist fast schon wieder lustig. Aber irgendwie passt das zum unentspannten Auftritt des Trainers des FC Bayern, den Wolfram Wuttke ja nicht umsonst irgendwann einmal »Osram« taufte. Nichts ist mehr geblieben von der ansteckenden Lockerheit und den lustig funkelnden Augen seines Kurzgastspiels beim Stern des Südens vor zwei Jahren. Heynckes erinnert viel mehr frappierend an seine notorisch genervten Tage auf Schalke.
Apropos Schalke. Dort ist die Welt ja endlich wieder in Ordnung. Mit einem Griff ins Portemonnaie werfen wir drei Euro ins Phrasenschwein und stellen fest: So schnelllebig ist nur der Fußball! Letzte Woche noch die Sorge vor dem Abstiegskampf und nun jubiliert man über Facebook und Twitter aus den königsblauen Feriendomizilen weltweit bereits wieder: »Schalke vor Dortmund und Bayern!« Dass das im Moment nur Tabellenplatz sieben bedeutet, ist sicherlich übertriebene Erbsenzählerei.
Fünf Tore sorgten für heile, heile Gänsje auf Schalke. Auch mit dem galaktischen Medienspektakel aus Spanien ist wieder alles in Butter. Und das liegt vor allem an dieser einen wunderbaren Szene aus der 59. Minute. Raúl González Blanco erzielte mit seinem spektakulären Heber über Michael Rensing einen der schönsten Treffer der Bundesligageschichte. Man könnte meinen, das bekämen nicht allzu viele Profis hin, aber in Dortmund ist man auch nach der zu erwartenden Niederlage in Hoffenheim weiterhin durchaus selbstbewusst, wie ein User im Angesicht des vierten Schalker Tores auf youtube schrieb: »Kevin Großkreutz macht das mit verbundenen Augen!«
Falls es jemanden interessiert, wie mein Wochenende war – es war bescheiden! Während ich im Ruhrstadion nach unglaublichen fünfzehn Anfangsminuten zunehmend die gleiche Scheiße sah wie in den vier Pflichtspielbegegnungen zuvor, versuchte die angeheiratete Schalker Sippe meinem Sohn auf Crange königsblaue Devotionalien unterzujubeln. Erst ein Machtwort per Telefon verhinderte Schlimmeres.
Doch was mache ich mir eigentlich Sorgen? Nachdem der VfL-Opa ihn am Samstag bei einem Besuch mit einem Haushaltsgegenstand spielen lassen hatte, wollte er das nun auch bei Mama und Papa. Mit stoischer Hartnäckigkeit fragte er den Rest des Wochenendes: »Wo ist meine Leiter?« Ich deute das mal als gutes Zeichen: Auch mein Junge will unbedingt wieder hoch in die erste Liga!





















