Mit dem Transfer von Raúl zum FC Schalke 04 hat Felix Magath mal etwas richtig gut gemacht. Es war schön, den Mann in der Bundesliga einmal spielen sehen zu dürfen. Alles Gute zum Abschied, Raúl. Und nimm dir dieses wunderschöne Ding von Oli mit als Erinnerung! Mehr Cartoons von Oli Hilbring gibt es hier!
Am Abend besuchten wir das Spiel zwischen dem Tabellenführer der tschechischen Liga FC Viktoria Pilsen und dem FC Slovan Liberec. Fußball auf einem anderen Stern. Ursprünglich, rau, nah dran – und äußerst misstrauisch. Die Frau an der Kasse witterte eine feindliche Übernahme des Klubs, als wir 21 Tickets auf einen Streich orderten. Erst nach mehreren Telefonaten mit der Vereinsführung wurde uns der Zugang auf die »Horni tribuna« gestattet.
Die ausufernde Wirkung der offerierten gastronomischen Köstlichkeiten im Stadioninneren zeigte sich bereits am körperlichen Gesamtzustand des Servicepersonals. Die in heißem Fett eingelegten Kartoffelringe wurden von einer Dame serviert, die offensichtlich gerne auch selbst größere Portionen der triefenden Speise verputzte. Sie hatte beim Abfüllen der Kartoffeln in eine Papiertüte arge Probleme, ihre üppige Figur so auszubalancieren, dass sie überhaupt sah, was sie gerade tat. Aus Ermangelung anderer warmer Lebensmittel griffen wir dennoch tüchtig zu.
Beim ersten Blick auf die laufende Partie bemerkten wir einen großen glatzköpfigen Spieler bei Liberec. Unzweifelhaft handelte es sich dabei um Jiri Stajner, den ehemaligen Profi von Hannover 96. Die vollbesetzte Kurve der Slovan-Fans – sechs Sitzreihen á 16 Plätze – rastete bei jeder Ballberührung des etwas stämmiger als zu Bundesligazeiten wirkenden Mittelfeldregisseurs komplett aus.
Wir unterdessen bewunderten das Maskottchen von Viktoria Pilsen. Eine bedauernswert kümmerliche Gestalt. Das Kostüm bestand einzig und allein aus einem komischen Kamelkopf aus Plüsch mit ungeschickt ausgeschnittenen Gucklöchern auf Halshöhe. Keine Ahnung, was das Ganze zu bedeuten hatte. Ansonsten sah das Maskottchen wie jeder anderen Fan auch aus. Das aktuelle Trikot oben herum und die dazu passende Hose in Vereinsfarben unten herum. Da das Kamel die meiste Zeit an einen Golf-Caddy-Wagen gelehnt äußerst gelangweilt und bewegungslos die Begegnung am Spielfeldrand verfolgte, hatte es zudem eine gelbe Joggingbuchse an. Schließlich war es Herbst geworden in Europa. Ein kalter Wind fegte durch die zugige Arena und uns mitten ins Gesicht.
Die Partie hatte allerhöchstens deutsches Zweitliga-Niveau. Also alles wie bei uns zu Hause in Bochum. Einzig die Rahmenbedingungen in diesem Stadion waren anders als in der Heimat. Ein Platzsturm war angesichts fehlender Absperrungen und Ordner jederzeit denkbar und auch an geeignetem Wurfmaterial mangelte es nicht. Direkt vor uns stand eine handelsübliche Mülltonne. Die ließ sich prima schmeißen und war zudem prall gefüllt mit allerlei handlichen Gegenständen aus Mutters Küche.
Richtig flau im Magen wurde es uns allerdings erst, als neben uns ein Mann in Military-Hose sein Klappmesser auspackte und in aller Ruhe eine Ananas schälte. In diesem Augenblick dachte ich zum zweiten Mal in diesem Jahr an die schnelle Vergänglichkeit des Lebens und zum ersten Mal an die schützende Hand des Sepp Blatter und seiner weitläufigen Bannmeilen.
Wer sich schon immer einmal zünftig von einem echten Affen tätowieren lassen wollte, der sollte besser nicht die Finger vom Wetten lassen. Denn günstiger wird man wohl nie die Möglichkeit erhalten, kostenlos ein feines Erinnerungsstück eines Primaten auf die eigene Haut verewigt zu bekommen. Ein Schalker hat möglicherweise die Gunst der Stunde beim Schopfe gepackt und kann vielleicht schon sehr bald die neidischen Blicke seiner Mitmenschen genießen.
Fußball und Wetten, das gehört zusammen wie Rudi Assauer und die Frauen. Ein Verhältnis, das immer ein bisschen auf der Kippe steht, aber bei dem beide Seite wissen, dass es nie ganz ohne geht. Und was hat es nicht schon für wunderbare Wetten beim Fußball aus einer Bierlaune heraus gegeben?
Erst neulich stürmten nach einer verlorenen Wette zwei Nackedeis das Spielfeld beim Lokalfußballspiel zwischen dem SV Neuburg/Kammel und dem TSV Langenhaslach. Unter lautem Gegröle warfen die beiden Männer bengalisches Feuer auf den Rasen und riefen lauthals: »Wir sind keine Hooligans!« Dann entschwanden sie im Auto und hinterließen ratlose wie begeisterte Fußballfans. Langenhaslach-Trainer Gerhard Grünwied war sichtlich angetan von der spontanen Aktion: »Es hat allen Spaß gemacht, Zuschauern wie Spielern!«
Auch im professionellen Wettgewerbe gibt es immer wieder ausgefallene Ideen. So konnte man im Jahre 2010 darauf setzen, dass Deutschland Italien im WM-Finale schlägt und der Papst auf dem Petersplatz »We are the champions« singt. Die Quote für diese unvorstellbare Vorstellung betrug satte 2000:1.
Handfester und greifbarer scheint da die verlorene Wette des Duisburgers Torsten Woywod. In der Winterpause der (Erstliga-)Saison 2007/2008 wettete er auf den Klassenverbleib des MSV Duisburg. Die Zebras überwinterten damals mit nur 13 Punkten als Tabellenschlusslicht. Dort standen sie dann allerdings auch am Ende der Spielzeit. Woywods Wetteinsatz: Er musste zur ersten Auswärtsfahrt nach Wiesbaden das Fahrrad nehmen.
Das muss dem Duisburger so viel Spaß gemacht haben, dass er dieses Jahr zum Pokalfinale nach Berlin das unmotorisierte Fortbewegungsmittel freiwillig gebraucht. Unter dem Motto »Stiftung Wadentest. Duisburg – Berlin. 660 Kilometer. 48 Stunden« wird er die Hauptstadt für einen guten Zweck ansteuern. Viel Vergnügen bei der Ausführung dieser wunderbaren Schnapsidee und viel Erfolg für den MSV gegen den FC Schalke 04!
Denn einen Sieg der Duisburger braucht »skAndy«, wenn er wirklich von einem Affen tätowiert werden soll. Natürlich glaubt er insgeheim ganz fest an einen Finalsieg seiner Schalker. Doch was genau passiert, wenn dem nicht so ist, beschreibt der Blogger auf den Seiten von www.web04.de folgendermaßen selbst: »Des Weiteren gebe ich zu bedenken, dass sich der Autor dieser Zeilen, aufgrund einer leichtsinnigen Laune namens Hochmut, im Falle einer Niederlage in Berlin mit der Situation konfrontiert sieht, dass er sich von einem Primaten tätowieren lassen muss. Und mit Primat meine ich nicht den langhaarigen JVA-Künstler, den man ab und an in der Pommesbude an der Ecke sieht, sondern einen Affen. So habe ich es verkündet, Ben Redelings wird mich festnageln.«
Genau so ist es. Am Abend des 21. Mai 2011 wird feststehen, ob sich »skAndy« mit seinem Wetteinsatz nicht ein wenig zu weit aus dem Fenster gelehnt hat. Ein Motiv-Vorschlag hat er übrigens selbst schon in die Runde geworfen: »Auf ein Zebra würde ich mich angesichts der Partie noch einlassen! Außerdem sollte so ein Schimpanse ja wissen, wie die aussehen!« Na, also. Da macht das Gucken am Pokalabend doch doppelt Spaß. Und nun: Top, die Wette gilt!
P.S.: Wer einen talentierten Affen kennt oder einen weiteren Motiv-Vorschlag machen möchte – nur zu. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Nicht wahr, »skAndy«?
“Frisch aus der Post” (gefischt) wird es jetzt regelmäßiger geben. Einserseits, weil ich nicht immer dazu komme, alle Bücher, die ich erhalte komplett zu lesen und dann auch noch darüber zu schreiben und andererseits, weil ich euch die Werke trotzdem nicht vorenthalben möchte, die bei mir im Briefkasten landen.
Tausche Schwester gegen Endspielkarte - Das ultimative Buch der Fußball-Wahrheiten. Band 2
Der Bestseller »Ein Tor würde dem Spiel gut tun« erhält fünf Jahre nach dem ersten Erscheinen und inzwischen 60.000 verkauften Exemplaren endlich eine Fortsetzung. Wieder hat Ben Redelings die ultimativen Sprüche und Weisheiten zum Thema Fußball gesammelt. Wieder hat er mehr als 3.000 Zitate aus allen Bereichen des Fußballs zusammengetragen allesamt neu und im ersten Band nicht enthalten.
Bereichert wird sein neues Werk durch lustige Fotos aus der Welt des Fußballs, durch viele kuriose Zitate von internationalen Stars und vor allem: durch die krassesten Sprüche von Fans, die Redelings direkt im Stadion oder in diversen Internetforen aufgeschnappt hat. Als Bonus: Für Sprüche-Anfänger gibt es eine »Klassiker«-Rubrik, in der Redelings die absolut allerbesten Stilblüten der Fußballer, Trainer und Funktionäre vereint.
Ostkurvenmattes: Pippo: immer gerannt, alles gegeben. Sympathisch, so wie man als Ruhri sich das wünscht. Er ist...
Tina: Huhu, Ben! Wir sind in Dortmund dabei & freuen uns schon dolle wie Bolle auf deinen Abend, lg Tina
Ostkurvenmattes: Und nochn neuer Spruch für Teil III dieser Lokus-Literatur-Reihe( ) Kevin Vogt nach Cottbus...
Ben Redelings, geboren 1975, lebt in Bochum als freier Autor und Filmemacher. Seine in schöner Regelmäßigkeit ausverkauften kulturellen Fußballabende SCUDETTO genießen mittlerweile “Kultstatus” (WAZ).
Die ehrenwerte Berufsbezeichnung “Fußballkulturschaffender in Vollzeit” des Radiosenders “1LIVE” hat sich Redelings also redlich verdient.
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Zitat
Ja, wenn Gras über die Sache gewachsen ist. (Franz Beckenbauer auf die Frage, ob Christoph Daum nach den Drogenvorwürfen noch einmal Trainer werden könne) – aus dem Buch: Ein Tor würde dem Spiel gut tun. Das ultimative Buch der Fußball-Wahrheiten