
Die fettige Weihnachtsgans ist kaum gegessen, schon stehen die meisten Vereine wieder auf dem Platz. Die Trainingslager sind gebucht und Felix Magaths Medizinbälle liegen bereit. Es darf wieder geschwitzt werden. Sehr zu Freude der Spieler, oder?!
Wenn man dem heutigen TV-Plauderer Günter Netzer glauben darf, dann gingen ihm die körperlichen Schindereien früher wirklich sehr an die Nieren: „Ich persönlich habe mir bei jedem Trainingslager überlegt, ob ich aufhöre Fußball zu spielen.“ Einen seiner damaligen HSV-Mitspieler lernte auch der lustige Norweger Jan-Aage Fjörtoft später als harten Trainerhund „Quälix“ kennen und konnte mit dem letzten Atemzug gerade noch spöttisch verkünden: „Ob Felix Magath die Titanic gerettet hätte weiß ich nicht – aber die Überlebenden wären topfit gewesen.“ Jochen Seitz, Zeugwart des VfB Stuttgart unter Magath, liebte dagegen die Methoden des Brillenträgers sehr: „Es lohnt sich wieder, die Trainingsklamotten zu waschen, sie sind wieder nass.“
Mit ganz anderen Problemen hat Willi Reimann des Öfteren angesichts des eher nicht vorhandenen Eifers seiner Spieler zu kämpfen: „Einige müssen ihre Bauchmuskeln trainieren, obwohl sie nicht mal wissen, was das ist. Wenn wir die trainieren, kommen sie am nächsten Tag an und meinen, sie haben was mit dem Blinddarm.“ Vermutlich handelt es sich dabei um die gleiche Gattung Spieler, die der ehemalige OFC-Trainer Ramon Berndroth einmal so beschrieb: „Es gibt ja die berühmten Trainingsweltmeister, die dann sonntags einen braunen Streifen in der Hose haben.“
Ob allerdings überhaupt ordentlich gearbeitet werden kann, hängt im Wesentlichen von zwei Dingen ab: sind die Spieler vollzählig anwesend und was macht das Wetter. Als Werder Bremen einmal bereits im Trainingslager auf Norderney angekommen war, meldete Pressesprecher Tino Polster hanseatisch-nüchtern über einen vermissten Brasilianer: „Man hat Ailton schon in Bremen gesehen, aber er hat offenbar noch keinen Weg gefunden, das Meer zu überwinden.“ Der Ex-VfL Bochum-Trainer Heinz Höher berichtete ebenfalls an der Nordsee verzweifelt von anderen Problemen: „Es hat nur zweimal geregnet: einmal fünf Tage, einmal acht Tage.“ Solche Dinge konnten einen Uli Maslo noch nie schocken: „Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte: der Trainingsplatz stand unter Wasser. Die gute: es ist keiner ertrunken.“
Das hätte Peter Neururer wohl in jungen Jahren sogar in Kauf genommen, wie seine brachiale Ankündigung vor einem Trainingslager vermuten lässt: „Ihr könnt Eimer zum Kotzen mitnehmen.“ Übungsleiter Uwe Klimaschefski war früher auch als Heißsporn verpönt: „Ich bin etwas ruhiger geworden, werde auch nicht mehr den Platzwart beim Schusstraining an den Pfosten binden wie damals in Homburg.“
Aber auch andere Methoden bergen Gefahren. Echte Ruhrpottjungs wie Willi Landgraf sollte man nach einer Einheit Step-Aerobic-Training besser nicht fragen, ob sie das schon einmal machen mussten: „ Jung, ich komm aus Bottrop – da wirsse getötet, wenne datt inne Muckibude machs!“ Alles neumodischer Schnickschnack. In Bremen beschwor Otto Rehhagel bereits sehr früh: „Frauen sind das beste Trainingslager“. Und Willi Lemke ergänzte noch schnell spitzbübisch lächelnd: „…die eigene natürlich!“
Die Meinung teilt Neukegler Mehmet Scholl voll und ganz. Und deshalb gebührt ihm auch– bevor es für die Profis wieder in alle Herren Länder losgeht – das weise Schlusswort: „Mich nerven Trainingslager. Weil ich am liebsten bei meiner Frau bin. Doch inzwischen bin ich genauso oft mit Helmer auf der Bude – aber immer mit dem Hintern zur Wand.“

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