Die alte Rot-Weiss Essen Legende Willi »Ente« Lippens lacht sich noch heute ins Fäustchen, wenn er an seinen alten Trainer Horst Witzler denkt. Der wollte den kleinen »Onkel Willi« im Sommer 1973 nämlich ordentlich gegen die Wand fahren lassen. ‚Doch nicht mit mir’, dachte sich der halbe Holländer und erfand mal eben so nebenbei den VHS-Grundkurs 1 für Neuanfänger in »Arbeitsverweigerung von Bundesligaprofis«. Und das kam so: Als Lippens richtig guten Mutes aus dem Spanienurlaub zum ersten Training an der Gruga fuhr, stand dort bereits das schicke VW Cabriolet des neuen Fußballlehrers auf dem Parkplatz. Willi erinnert sich genau an diesen Augenblick: »Da sitzt ein braun gebrannter, schwarz gekleideter Typ drin und hat den Arm lässig raushängen. Ich komm vorgefahren mit meinem BMW, stell mich daneben und denk: ach, guck mal, der neue Trainer. Ist ja wunderbar. In dem Moment steige ich aus, nehme mein Täschken, da ruft der auf einmal:
‚Wilhelm, kommen Sie mal!’ Ich denk mir nichts dabei und latsch da rüber. ‚Setzen Sie sich mal neben mich hier.’ Der beugt sich runter, macht die Tür auf – wär’ fast rausgefallen – ich hops rein. Das erste, was mir der neue Trainer sagt: ‚Lippens, ich brauch Sie nicht!’«
Der Stürmer war natürlich baff: »Ich habe gar nichts mehr gesagt, ich war fertig. Das ist ja klar. Du kommst dahin voller Erwartungen und der haut dir direkt eine rein. So, habe ich nur gedacht, warte mein Freundchen!»
Lippens, der zu der Zeit mit verbundenen Augen erbsengroße Goudastücke von der Latte knallen konnte, verlernte urplötzlich von einer Sekunde zur nächsten das Fußballspielen wie Schulkinder das Stricken und Häkeln einen Tag, nachdem die Zensuren im Fach »Textiles Gestalten« vergeben wurden. Mit einem verschmitzten Lächeln schildert die Ente die dramatische Situation: »Ja, wie der Teufel es will, es lief nicht so. Das kann passieren. Einfach keine Hütten mehr geschossen, war irgendwie verrammelt, da ging nichts mehr. Ich war völlig fertig.«
Der Plan funktionierte. Rot-Weiss Essen legte einen katastrophalen Start in die Saison hin und schon bald geschah das, was in solchen Momenten immer passiert: Trainer Witzler sollte hoch zum Vorstand! Willi Lippens, der alte Sauhund, war am Ziel seiner bösen Träume: »Ich wusste ja, jetzt ist er weg. Ich denk, was machst du nun? Hab ich mich in mein Auto gesetzt, Scheibe runter gedreht, Arm lässig raus, einen ganz auf cool gemacht. Nach ner halben Stunde kommt mein Freund runter. Ich: ‚Trainer, Trainer kommen Sie mal kurz.’ Witzler ist natürlich schön angepisst, kommt aber trotzdem. Und ich: ‚Trainer, wissen Sie was: Ich brauch Sie auch nicht mehr!’«
Ausschnitt aus dem Buch: Dem Fußball sein Zuhause. Pöhlen, Pils und Pokale entlang der B1
























