Seit einiger Zeit berichtet unser Niederlande-Korrespondent Moddin Meyer (Rotterdam) in unregelmäßig-regelmäßigen Abständen schon aus dem Land des Käses, der Tulpen und der Cruijffs.
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History!
Samenstau, Kontaktmoment und die Zigarre danach
Am Sonntag gab es Historisches. In Melbourne spielt man das längste Finale der Grand-Slam-Geschichte und Rotterdam gewinnt „de klassieker“ gegen Ajax. Was aber haben Tennis und Fußball gemein? In Hollands höchster Liga geht es zwar nicht immer hochklassig her, spannend aber ist es allemal. Feyenoord verliert 6:0 bei Groningen, gewinnt die Woche darauf 4:0 gegen Arnheim. Groningen lässt dem 6:0 gegen die Rotterdamer ein 1:6 gegen PSV folgen. Utrecht schickt Ajax mit 6:4 nach Hause, wird seinerseits im nächsten Heimspiel von Twente mit 2:6 „verplettert“. Diese Endstände gleichen Tennisresultaten und sie erzählen von der Launenhaftigkeit dieser Liga.
Unabhängig von der Tabellensituation ist das holländische Derby zwischen Ajax und Feyenoord jedes Jahr ein Wettbewerb für sich. Das Höchste der Gefühle ist es, den ewigen Rivalen in einer Saison zweimal zu besiegen. Feyenoord gelingt das in der Saison 2005/06. So groß ist der Stolz, dass man eine DVD mit dem doppelten Derbysieg herausgibt. Pikanterweise gelingt in der Folge kein einziger Sieg mehr gegen Ajax. Bis zum vergangenen Wochenende: 4:2, Ajax „afgeschminkt“! Wie ein sechsjähriger Samenstau entlädt sich am Sonntag die Freude der Feyenoord-Fans, die ausflippen, dass die Fundamente von „De Kuip“ vibrieren. Das Stadion, Spitzname „Die Wanne“, feiert dieses Jahr nebenbei auch noch seinen 75. Geburtstag. Kurz vor der Eröffnung 1936 testet man die Standhaftigkeit, indem man 1500 Arbeitslose für einen Schnaps und eine Zigarre jubeln und hüpfen lässt.
Das Aufeinandertreffen zwischen Hauptstadt und Hafenstadt bietet in der diesjährigen Ausgabe noch mehr Historisches: John Guidetti gelingt ein Hattrick, wenn auch nicht (zeit)lupenrein – seine Fallsucht vor dem selbst verwandelten Elfmeter erzürnt die Ajax-Gemüter. Ein Kamerateam sucht in der Halbzeit sogar den Schiedsrichter in seiner Umkleidekabine auf, um ihn zu der strittigen Szene zu befragen. Eine peinliche Premiere und ein beklemmter „Kontaktmoment“, wie Spielleiter Björn Kuip(!)ers die Schwalbe nennt. Der letzte Hattrick eines Feyenoord-Spielers im Klassieker datiert von 1964. Feyenoord demütigt Ajax 9:4 und Coach Buckingham muss gehen. Der erste niederländische Trainer, der „piepjonge“ (35) Rinus Michels, kommt.
„Da geht er, ein großer Spieler. Ein Mann wie Steffi Graf!“ (Dahlmann verabschiedet Matthäus). Da möchte man den Finalisten von Melbourne hinterherrufen: „Zwei Buben wie Birgit Prinz!“, oder alternativ: „Zwei Jungs wie Inka Grings.“ Die Grings wollte eigentlich Tennisspielerin werden. Da sie vom Tennisverein nicht aufgenommen wurde, begann sie Fußball zu spielen. Und da endet sie, eine große Kolumne. Ein Text wie Guido Knopp.
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